Goldenes Handwerk.

Selbst ist die Frau. Das Motto musste auch mein Vater damals im Hinterkopf gehabt haben, wenn er mich irgendwo mit einbeziehen wollte. Ob im Haus oder im Garten, ich kriegte ein Werkzeug in die Hand gedrückt und dann hieß es „Jetzt mach mal.“ Ok, ich war vielleicht auch nicht gerade das mädchenhafteste Mädchen.

Aber dank ihm kann ich heute meine Lampen alleine aufhängen. Ich bin beim letzten Umzug auch nur einmal nach einem kleinen Stromschlag fast von der Leiter gefallen. Wer konnte auch ahnen, dass die Deckenlampe im Arbeitszimmer am Stromkreis vom Dachboden hängt? Ich kann Nägel in die Wand hauen und Regale anbringen. Und Löcher zuspachteln. Was natürlich in keinem direkten Zusammenhang mit den anderen beiden Sachen steht. Ich weiß, wie Kabel in der Wand verlaufen, falls niemand gepfuscht hat. Ich bringe Gardinenleisten selber an, kann Laminat verlegen und Heizkörper ohne Sauerei entlüften.  Wasch- und Spülmaschine sind von mir selbst angeschlossen. Das verratet bitte nicht meinem Vermieter.

Klingt nach Kleinigkeiten. Aber ich wäre durchgedreht, wenn ich nach meinem Umzug vor einem Jahr immer auf Hilfe hätte warten müssen. Komischerweise fährt mein Vater nicht mal eben 140km, um bei mir einen Spiegel aufzuhängen. Es sieht hinterher nicht immer perfekt aus, aber ich habe auch noch ein paar Jahrzehnte Zeit zum Üben.

Wahrscheinlich ist bei mir auch eine gehörige Portion Stolz daran schuld, dass ich sowas überhaupt können möchte. Um Hilfe fragen ist doof. Mein Bruder hingegen kann gerade mal eine Glühlampe wechseln. Ich hoffe zumindest, dass er das kann. Den hat so etwas nie interessiert. Ich sehe Handwerken als Herausforderung. Zu stolz um andere zu fragen, aber noch viel stolzer auf mich, wenn es geklappt hat. Und manchmal, aber nur manchmal, bitte ich doch mal um Hilfe. Das schwache Geschlecht darf das schließlich auch mal tun.

The Day after the Day of the Doctor.

Da war es. Das von mir lang erwartete Doctor Who Special zum 50. Geburtstag der Serie. Und es war zum Glück wahrlich fantastisch.

Ich werde hier keine Zusammenfassung abliefern und auch nicht groß spoilern. Das dürfen gerne andere übernehmen. Nur so viel: Ich habe noch nie ein derartiges Publikum in einem Kinosaal erlebt. Was für eine Stimmung. Und das in Bielefeld! Links neben mir ein älteres Ehepaar, das wahrscheinlich schon die ersten Jahre der Serie aktiv miterlebt hat. Schräg vor mir ein kleines Mädchen, vielleicht vier Jahre alt. Mit einem Sonic Screwdriver der grün leuchtete, oben aufklappte und das typische Geräusch macht. Ich bin immer noch ein wenig sehr neidisch…

Generell war es faszinierend, wie viele Menschen mit DW Shirt, Bow Tie, Sonic Screwdriver und sogar Fez plötzlich durch das Cinemaxx liefen. Wenn einem ein Mittvierziger vom Typ verbeamteter Englischlehrer auf der Treppe in einem kompletten Eleventh Doctor Outfit entgegen kommt, ist das schon echt richtig irritierend. Aber schön. Richtig schön. Ich habe die relativ spontane Entscheidung, doch dafür ins Kino zu gehen, keinen Moment bereut. Ok, die Serientrailer von Fox mit der deutschen Synchro blende ich mal besser aus. Aber sonst war’s schon so ziemlich perfekt.

Coal-Hill-Anniversary

Ich habe das Special auch sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. Allein um die ganzen Anspielungen noch einmal bewusst wahrzunehmen, muss das noch mal sein. So bloody brilliant.

Das gilt natürlich auch für die Performance von Smith, Tennant und Hurt. Ich hätte mir gewünscht, dass Hurt mehr Screening Time für sich alleine bekomme hätte. Was macht diesen alten Mann aus, dass sich Milliarden Daleks vor ihm fürchten und der Ältestenrat der Time Lords ihn zeitgleich aber am liebsten selbigen zum Fraß vorwerfen möchte?

Vielleicht gibt es dazu ja irgendwann eine Minisode. Und vielleicht verrät mir dann auch jemand, wie Smith mit Clara auf dem Arm wieder aus seinem Time Stream herausgekommen ist. Diese Unwissenheit macht mich ganz kirre.

Books. The best weapons in the world.

Ich hebe einfach mal direkt das Stöckchen von Denis auf.

Welches Buch liest du momentan?

Pyramids, natürlich vom großartigen Terry Patchett. Leider komme ich gerade irgendwie nicht wirklich voran und kämpfe mich seit Wochen durch die Seiten. Und das obwohl es mal wieder ganz genau meinen leicht zynischen Humor trifft. Bald, wenn der Kopf wieder leerer ist.

Und warum liest du das Buch?

Ehrlich gesagt: Weil es dran ist. Also rein chronologisch betrachtet in der Reihe der Discworld-Novels. Kein besonders aufregender Grund, ich weiß. Aber wie ich schon einmal an anderer Stelle schrieb: Ich bin seriensüchtig. Und Pratchett ist toll.

Gibt es einen Protagonisten / eine Protagonistin, in den / die du einmal regelrecht verliebt warst?

Das ist einfach: Lestat de Lioncourt. Also in die Romanfigur von Anne Rice, nicht in den (zugegebenermaßen gar nicht mal so schlechten) Rollencharakter von Tom Cruise. Lestat, „The Brat Prince“. Überheblich, dominant, von sich eingenommen. Zutiefst philosophisch, kreativ und furchtbar schnell in jemanden verliebt.

In welchem Buch würdest du gerne leben?

Peter Pan von J. M. Barrie. Und nun sagt mir bitte niemand, ich wäre zu alt fürs Nimmerland. Für immer Kind sein, Abenteuer erleben, Meerjungfrauen und Indianer treffen, gegen Piraten kämpfen. Und natürlich fliegen.

Welche drei Bücher würdest du nicht mehr hergeben wollen?

Da gibt es keins, an dem ich so sehr hänge, dass ich es tatsächlich vermissen würde. Natürlich schmeiße ich kein Buch weg, aber ich lese auch selten ein Buch mehrmals. Also würde ich wahrscheinlich erst dann merken, dass eins fehlt, wenn ich die Lücke im Regal sehe.

Ein Lieblingssatz aus einem Buch:

„None of us really changes over time. We only become more fully what we are.“
– The Vampire Lestat

Ok, das waren zwei Sätze. Und mit dem Stöckchen halten wir’s so, wie bei den Hunden meiner Eltern: Ich werfe einfach mal und warte ab, ob’s überhaupt irgendjemand holt.

Doctor what?

Vorneweg die Warnung, falls jemanden das Thema sowieso schon nervt und er die Überschrift auch noch versehentlich überlesen hat: Achtung, Achtung, hier geht es um Doctor Who.

Eigentlich gibt es zwei Gruppen von Menschen: Die einen kennen und lieben die Serie. Der Rest guckt sich jetzt mal „Doctor Who explained in 25 GIFs“ vor dem Weiterlesen an.

Doctor Who wird dieses Jahr stolze 50, deshalb auch momentan das ganze Bohei um die Show. Na gut, zwischen 1989 und 2005 war, von einem Fernsehfilm mal abgesehen, Pause. Dennoch wird diese Laufzeit wohl höchstens noch von Agatha Christie’s Theaterstück The Mousetrap im Londoner West End getoppt. Ein tolles Stück übrigens. Und eine urige Location. Wer in London ist, sollte sich das ruhig einmal anschauen. Aber ich schweife ab.

Nächsten Samstag läuft die Jubiläumsfolge zum 50. Geburtstag und das weltweit fast zeitgleich sowohl im Fernsehen, als auch in vielen Kinos in 3D im Originalton. Und man höre und staune: Bielefeld macht mit. Ich habe ein wenig mit mir gerungen, ob ich wirklich mit ins Kino möchte. Doctor Who ist für mich sonntags mit Kaffee auf dem Sofa sitzen und wehe mich stört jemand. Sogar Twitter ist dann mal für eine Dreiviertelstunde aus. Ich werde vorsichtshalber die kleine Klappaxt im Handtäschchen haben. Falls jemand quatscht, kann ich dann direkt ein Exampel statuieren.

Zur Serie gekommen bin ich übrigens wie die Jungfrau zum Kind. Nacht einem Buffy-Angel-Marathon habe ich nach anderen Sachen mit James Masters gesucht und bin dabei auf eine sehr spezielle Torchwood-Szene gestoßen. Danach wollte unbedingt wissen, was die Geschichte dazu ist. Torchwood ist ein Doctor-Who-Spin-Off (man beachte das Anagramm) und somit habe ich den Gaul von hinten aufgezäumt. Ändert aber nichts daran, dass ich die Serie liebe und mich nun sogar an die allererste Staffel von 1963 gewagt habe. Und wer weiß, vielleicht komme ich am Samstag sogar mit den passenden Accessoirs?

Allons-y!

Stressgetestet.

Neulich beim Gesundheitscheck im Fitnessstudio: „Haben Sie Stress auf der Arbeit?“ Haha, der war gut. Wer mich auf Twitter liest, der weiß, dass ich mich gelegentlich dazu auch mal äußere. Gerne auch von dem ein oder anderen nicht ganz so feinen Ausdruck untermalt. Aber selber schuld.

Im Studium war mein Plan bloß nicht in einer Agentur zu landen. Das Agenturleben ist ja so furchtbar stressig und diese Arbeitszeiten… nee. Nee! Nicht mit mir. Ok, mit etwas Nachdenken hätte ich darauf kommen können, das mein jetziger Arbeitgeber auch so etwas wie eine Event Agentur ist. Ich dummes Kind. Es sind zwar momentan nur zwei „Events“, die wir da organisieren, aber die auch wirklich von A bis Z. Und 2-3 Monate vor dem Veranstaltungstermin öffnet der Stress die Schleusen über dem Marketing und dann steht man halt mal von August bis März durchgehend unter Strom.

Eigentlich mag ich Stress. Stress lässt mich produktiv werden, weil ich unter Druck besser funktioniere. Die Kunst der Prokrastination beherrsche ich nämlich sonst aus dem Effeff. Schon im Studium fand ich es extrem super mal eine Woche am Stück vom Aufwachen bis zum Einschlafen alles für ein Filmprojekt zu geben. Bis man sich denkt „Zieht ohne mich weiter, ich bleib jetzt einfach hier liegen“.

Aber irgendwann reicht’s auch. Dann braucht man plötzlich eine halbe Stunde um eine Seite Text zu lesen, schickt dreimal hintereinander das falsche Dokument raus und der ganze Körper schmerzt. In so einem Moment heißt es die Notbremse zu ziehen. Wenn nicht mehr geht, dann geht halt nicht mehr. Punkt. Zum Glück steht mir in einer Woche ein langes Wochenende ins Haus, es wird dringend benötigt.

Souvenir.

 

Fünf Tage haben wir als Gruppe auf einem Haufen gehockt und am Ende kam ein wunderbarer Film dabei heraus. Auch wenn ich mit einigen dieser Leute heute kein Wort mehr wechsel, damals war es ein unfassbar tolles Erlebnis. Und ich glaub, mein bislang bester Videoschnitt. Da bin ich doch schon echt ein bisschen stolz drauf.

Du zitterst ja!

Da steht man so in der Weltgeschichte herum, dreht mehr oder minder konzentriert am Zauberwürfel und von der Seite kommt das altbekannte: „Du zitterst ja! Bist du nervös?“ Wie? Was? Ich? Oh. Stimmt.

Nein, ich bin nicht nervös, habe keine Entzugserscheinungen und Parkinson ist es auch nicht. Das Ding nennt sich essentieller Tremor und in der Medizin steht dies für jenes chronische Zittern, für das es bislang immer noch keine Erklärung gibt. Man ist einfach eine neuronale Fehlfunktion. Angeknipst wird das Zittern beim Kampf gegen die Schwerkraft (irgendetwas ruhig in der Luft halten) und bei zielgerichteten Bewegungen. Wenn ich also nachts das Schlüsselloch nicht treffe, liegt das natürlich immer am Tremor.

Mein Tremor ist von der feinschlägigen Sorte, also ein eher leichtes Zittern. Und er ist ja auch nicht immer da. Stress und Aufregung machen es schlimmer, aber so genau achte ich da auch nicht drauf. Es kommt sehr selten vor, dass ich es noch merke, weil ich meine Kaffeetasse gerade mal nicht fehlerfrei an den Mund bekomme. Normalerweise ist es für mich einfach Teil des ganz normalen Bewegungsablaufs.

Heilung gibt es bislang nicht. Das Zittern ist wahrscheinlich vererbbar, trifft etwa einen von 28 und Alkohol hat bei 60% der Betroffenen eine lindernde Wirkung. Und damit enthält dieser Blogeintrag so ziemlich alles Wissen, das die Medizin im 21. Jahrhundert über diese Krankheit (oder dieses Symptom?) hat.

Also wenn es euch mal reizen sollte zu sagen: „Du zitterst ja!“ Jau. Danke. Weiß ich.

Sucht in Serie.

Ich bin sowas von dankbar für Halloween! Wieso? Weil der Großteil der aktuellen Serien für eine Woche pausiert. Ich komme nämlich schon gar nicht mehr hinterher. Das ist eine Sache, die ich aus meiner Studentenzeit vermisse: Wach werden, eine Folge von irgendwas gucken, Frühstück holen, eine Folge irgendwas anderes gucken (meistens Bones, ich bin schließlich beim Essen) und so weiter und so fort.

Wenn ich überlege, was ich alleine in den vier Jahren in Bielefeld an Serien inhaliert habe, dann weiß ich auch, wo meine Zeit geblieben ist. Dexter, Chuck, Doctor Who, Pushing Daisies, NCIS, Breaking Bad, TBBT, Castle, House, Friends, Simpsons, Monk, Buffy, White Collar, Angel, Torchwood, True Blood, Sherlock… Ich glaub, das ist ungefähr ein Sechstel. Und (Oh Graus!) so etwas wie Numb3rs oder Criminal Minds gucke ich ziemlich altertümlich gerne auch mal abends im Fernsehen auf Deutsch.

Bei schon fertig ausgestrahlten Serien werde ich dann tatsächlich regelrecht süchtig. Ich glaube, Buffy hatte ich komplett innerhalb der Semesterferien in nur einer Woche durch. Ist übrigens nicht gut für die inhaltliche Gestaltung von (Tag-)Träumen. Das nur mal so als Randnotiz. Ich bin auch alles andere als ein Genre-Nazi. Wie man auch anhand meiner Aufzählung wohl ganz gut erkennt. Die Figuren müssen einfach spannend genug sein, damit ich sie jede Woche wiedersehen möchte.

Wahrscheinlich findet man auch deshalb eher Bücherserien in meinem Regal, als einzelne Werke. Ich mag Figuren nicht so schnell gehen lassen. Zum Glück gibt’s für Menschen wie mich Autoren wie Anne Rice oder Markus Heitz (Ja, ich mag Monster). Und vielleicht gucke ich auch deshalb lieber Serien als Filme.

Eine Lieblingsserie ist ein wenig wie nach Hause kommen: Man kennt die Figuren, die Orte. Man will wissen, was es neues gibt. Ein Film ist hingegen wie ein kleines Abenteuer: Neue Gesichter, neue Erfahrungen und am Ende freut man sich müde und glücklich auf sein Zuhause.