Interview mit einem veganen Vampir.

Vor drei Wochen sprach mein Hausarzt in meiner Gegenwart Folgendes in sein Diktiergerät: „Ich bin relativ ratlos Komma wir machen einfach mal…“ Wenn man als Internist nicht wisse, was los ist, gäbe es halt ein großes Blutbild. Einfach mal auf gut Glück und in der Hoffnung, dabei zufällig etwas zu finden. So seine Erklärung. Es läuft also doch so ab, wie bei Doctor House. Nun gut, wollen wir mal hoffen, dass ich nicht nach 24 Minuten wiederbelebt werden muss, bevor ich dann in Sendeminute 43 endlich dank eines Geistesblitzes geheilt werde.

Eigentlich saß ich ihm zu dem Zeitpunkt auf den ersten Blick recht entspannt gegenüber. Ich hatte ja nun keine akute, lebensbedrohliche Geschichte. Müdigkeit, Lustlosigkeit, Kreislaufprobleme, Schwindel und Übelkeit nach den Mahlzeiten. Alles keine großen Sachen, aber auf Dauer echt nervig. Wahrscheinlich war es auch das erste Mal, dass ich hoffte, man würde jetzt gleich etwas bei mir finden. Sonst hätte ich mir am Ende noch eingestehen müssen, dass doch Stress oder irgendeine andere Kopfgeschichte daran schuld sein könnten. Nicht gerade meine Traumdiagnose.

Bm9_7mcIIAAujc3Aber: Yeah! Er hat etwas gefunden. Ziemlich miese Ferritinwerte und das obwohl ich mich eigentlich relativ eisenreich ernähre. Naja, ganz egal, es lässt sich recht gut behandeln. Da darf „Kräuterblut“ von mir aus auch gerne wie etwas klingen, mit dem man einen von einem Vampir verwandelten Veganer notversorgt. Erste Menschen gucken schon irritiert, weil ich aktuell so etwas wie einen gesunden Teint entwickle. Gerade ich, der Eimer Alpinaweiß mit mieser Deckkraft. Wo soll das bloß hinführen? Am Ende kommt noch raus, dass meine Mutter meinen doch recht hellhäutigen Vater vor 28 Jahren im Griechenlandurlaub… vielleicht stehe ich ja deshalb so auf Gyros und Tzaziki?

Auch die Laune bessert sich momentan merklich und das tat sie auch schon, bevor gestern endlich die Sonne rauskam. Wenn die Arbeit nicht mehr nur wie in Trance erledigt wird, dann ist das eine sehr gute Sache. Und vielleicht gehe ich gleich raus und hüpfe vergnügt über eine Blumenwiese. Aber nur vielleicht.

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Durch die Nacht mit Bela B.

5. Mai 2014, kurz vor 21 Uhr, die Verfasserin dieses Blogeintrags steht vor der Bühne und hibbelt. Gleich soll er auf die Bühne kommen, der Humanboss, der Pornoboy, der Graf. Na gut, ein „Boy“ ist Bela B mit 51 wirklich nicht mehr, aber nach 34 Bühnenjahren hat man doch irgendwie Narrenfreiheit. Mittlerweile vergisst er seine Texte zwar eher wegen des Alters und nicht mehr wegen Alkohol und anderen Substanzen, aber irgendwie ist er immer noch punk. Bewusst als Adjektiv benutzt. Denn anders als Campino hat er sich nicht auf der Schiene des Altpunks festgefahren. Die Soloprojekte sind noch weniger Punk Rock als die letzten drei Ärzte-Alben und beim Konzert wird auch deutlich, wieso das so sein muss.

Es war mein drittes Solokonzert des Herrn B, dreimal Ringlokschuppen, dreimal vorne links in der zweiten Reihe. Die ersten beiden Auftritte und Alben waren die eines Showmasters im silbernen Pailettenanzug. Am Montag betrat allerdings ein deutscher Johnny Cash die Bühne. Im Westerhemd mit Tolle und Akustikgitarre. Aber das aktuelle Album „Bye“ und die neue Begleitband Smokestack Lightnin‘ hatten diese Entwicklung doch schon sehr deutlich gespoilert. Die waren übrigens auch gleichzeitig die Vorband, what a crazy random happenstance. Den Frontmann am Kontrabass fand ich aber 2009 schon ziemlich cool. Damals, als Smokestack Lightnin‘ noch vor Bela B y Los Helmstedt spielten. Und die neue Frontfrau, Miss Peta Devlin, passte auch wunderbar in diese ganze Country-Geschichte mit hinein. Manch einer wird sie als Teil von Oma Hans kennen und irgendwie sagt das auch schon alles.

Das Konzert selbst war wieder einmal toll. Aber eben ganz anders, als irgendein vorheriges Solokonzert von ihm oder geschweige denn ein Auftritt von den Ärzte. Mehr so schubbidu und schwing den Po. Was mich beim Album noch gestört hat, gefiel mir live echt gut. Genauso wie die Country-Twist-Version von „Manchmal haben Frauen“. Wenn der alte Mann mit dem Tamburin über die Bühne swooft, dann macht das einfach gute Laune.

Mehr von den alten Songs wäre schon nett gewesen. Mehr schnelle Nummern, bei denen jeder hätte mitsingen können. Das hätte der Stimmung gut getan. Wobei ich selbst von mir positiv überrascht worden bin und alle neuen Lieder von Anfang bis Ende auswendig konnte. Und das obwohl ich das Album nach der Veröffentlichung letzten Monat echt stiefmütterlich behandelt habe. Aber vielleicht bin ich nach 16 Jahren einfach so drin, dass ich die Reime im Zweifelsfall auch selber schreiben könnte. Vielleicht nicht alle, denn manche Strophen hätten auch dem merkwürdigen Verstand des Farin U. entsprungen sein können.

Der kleine Streichholzmann war von dem Zündholzmädchen sofort fasziniert
So war er schon in ihrem Bann, bevor er wusste, was ihm da passiert
Er hat in ihr auch gleich die Liebe seines Lebens erkannt
Da fing sie an zu glühen und sie sind aneinander verbrannt

Kleiner Streichholzmann
Was tust du dir an?
Wenn die Glut erlischt
Bleibt am Ende nischt

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In der Champions League.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Am Freitag unterbreitete man mir auf dem BiBloStati, dem Bielefelder Blogger-Stammtisch, ich hätte mich mittlerweile für das Champions-League-Finale der biertrinkenden Siggisitzer qualifiziert. Der Siggi, eigentlich Siegfriedplatz, ist tatsächlich seit dem letzten Sommer so etwas wie ein zweites Wohnzimmer geworden. Einzugsdatum 27. Juli 2013. Das ist noch gar nicht so lange her und seitdem gehört da natürlich auch das ein oder andere Siggibier mit dazu.

Die „Auszeichnung“ kam von jemandem, der mich überwiegend vom Stammtisch und durch meine Tweets kennt. Und da könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, dass Biertrinken mein größtes Hobby wäre. Ich war auch noch nie zuvor so regelmäßig in Kneipen, dass man dort schon beim Reinkommen meine Bestellung weiß. Oder mich plötzlich an anderen Orten wiedererkennt und grüßt. Dabei habe ich noch vor einem Jahr eine Zeit gehabt, in der ich sehr selten ausgegangen bin und dann auch nie auf mehr als allerhöchstens drei oder vier Bier. Davor teilte ich mir noch Sixpacks und davor gab es hauptsächlich Mischbier. Also ganz, ganz, ganz früher.

Mittlerweile komme ich damit nicht mehr aus. Ich mag Bier und wenn man etwas mag, muss man ja nicht gleich nach der zweiten Flasche aufhören. Aber ich betrinke mich nicht. Ich bin von Natur aus ein beinahe übertrieben kontrollierter Mensch und ich mag es überhaupt gar nicht, wenn mir auffällt, dass ich mich beim Sprechen konzentrieren muss. Das ist dann für mich der Moment, um die Reißleine zu ziehen.

Oh Gott, nun packt sie die Moralpredigt raus… Nein, keine Sorge, kein Weibsvolk bei der Steinigung. Das soll jeder so handhaben, wie er es für richtig hält, denn das mache ich schließlich auch nicht anders. Ein Feierabendbier alleine auf dem Sofa ist sicherlich nicht die ideale Form der Stressbewältigung. Und mit dicken Socken passt mir der Schuh des Wochenendalkoholikers irgendwie auch. Nur dass ich meistens bereits deutlich früher ins Bett falle, als das bei dem bloggenden Mitstreiter der Fall ist. Aber mal unter uns Gebetsschwestern: Ruhige Kneipenabende oder in geselliger Runde auf dem Siggi zu versacken… das macht halt auch einfach Spaß. Ergänzung: Und ein bisschen stolz bin ich auf den Status als Titelanwärter auch. Er ist auch echt hart erkämpft.

Ce sont les meilleurs. Sie sind die Besten. These are the champions.
Die Meister. Die Besten. Les grandes équipes. The champions.