Dumme Fragen.

Wie sagt man so schön: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.“ Was für ein Blödsinn. Natürlich gibt es saudämliche Fragen. „Ist Butter pflanzliches Fett?“ Klar, dafür werden Butterblumen von Hand bei Vollmond gemolken. Oder Menschen, die beim Filmgucken ständig nerven müssen: „Wer ist das? Was macht der da? Was kommt jetzt?“ Momentchen, ich les die Antworten schnell im Kaffeesatz nach.

Meine allerliebste Frage ist aber schon seit ein paar Monaten das allgegenwärtige „Warum hast du eigentlich keinen Freund?“. Interessanterweise fragen das genauso oft Männer, wie Frauen. Ist das Small Talk? Falls ja, wieso hat mir niemand Bescheid gesagt, dass man sowas heutzutage schon direkt nach den üblichen Kennenlernfloskeln fragen darf? Oder ist das verstecktes Interesse? Falls ja, wieso fragt man nicht stattdessen, wie es um ein gemeinsames Kaffeetrinken zu zweit gestellt wäre? Oder wird man jetzt schon so genau abgecheckt? Falls ja, wo bleibt denn da der Reiz des Kennenlernens, wenn man direkt Listen mit den Vor- und Nachteilen der Person zugesteckt bekommt? Und wieso fragen Frauen das auch? Aus Angst vor einer Männerdiebin? Oder sind die auf der Suche nach einer total genialen Antwort, die sie zukünftig selber benutzen können?

Sicherlich ist das irgendwie schon ein Kompliment. Aber das kann man doch auch eleganter lösen. Ich wüsste auch gar nicht, was eine gute Antwort auf diese Frage wäre. Ein simples Schulterzucken kommt komisch an. Eine zusammengestotterte Erklärung kann eigentlich nur überheblich klingen. Außer man möchte sich selbst direkt am Anfang schon bloßstellen und seine Schwächen offenbaren. Vielleicht reagiere ich demnächst auch einfach mit „Ich habe ehrlich auf die Frage geantwortet, warum ich eigentlich keinen Freund habe“.

In the beginning there was nothing, which exploded.

Das ist ein Zitat aus dem ersten Kapitel von Terry Pratchetts „Lords and Ladies“. Natürlich geht er danach wieder fließend zur Scheibenwelt über, welche bekanntlich auf dem Rücken von vier Elefanten ruht, die wiederum von der Schildkröte Great A’Tuin durch das Weltall getragen werden. Damit wären wir aber ganz weit weg von dem, über das ich eigentlich bloggen wollte. Nämlich über die Wissenschaft. Genauer gesagt über Biologie, Chemie und Physik. Und ein wenig über die Mathematik. Aber eigentlich ist Mathe das doofe Stiefkind, das nicht mit auf den Ball darf und stattdessen die Treppe schrubben muss.

In der Schule fand ich diese Fächer natürlich genauso langweilig wie jeder andere. Allerdings hatte ich den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass mir dieser mathematisch-logische Quatsch bis zum Schluss ziemlich leicht fiel. Aber nur weil man etwas ganz gut kann, muss es einem noch lange nicht Spaß machen. Wenn man zwei Monate lang Kreuztabellen mit gelben und grünen Erbsen zeichnet, um die Mendelschen Regeln zu verstehen, dann ist das langweilig. Wenn zum fünfzehnten Mal der absolute Nullpunkt abgefragt wird, dann ist das langweilig. Und die drei Jahre zwischen der siebten und zehnten Klasse ändern nichts daran, dass die Wahrscheinlichkeit für Kopf oder Zahl bei einer Münze 1/2 ist. Verblüffend.

Sicherlich hat man die Themen nicht so breitgetreten, nur um mich zu ärgern. Aber wie soll man Gefallen an etwas finden, wenn die Grundlagen so gähnend langweilig vermittelt werden?

Mittlerweile mag ich die Naturwissenschaften total gerne. Natürlich nicht in dem Sinne, dass ich zuhause sitze und die Flugbahnen von Gegenständen anhand von Masse und Geschwindigkeit ausrechne. Was ich früher sogar mal konnte. Und was hin und wieder vielleicht sogar ganz praktisch wäre, denn dann könnte ich den Boden an der richtigen Stelle schützen, BEVOR ich mal wieder Lebensmittel durch die Küche katapultiere. Nein, mehr in dem Sinne, dass mich Zusammenhänge interessieren. Weil ich wissen möchte, wieso Blätter bevorzugt grün sind. Weil ich wissen möchte, was ein Schwarzes Loch ist. Und weil ich wissen möchte, wieso gerade das Bärtierchen das abgeklärteste und tougheste Wesen auf diesem unseren Planeten ist.

Ich habe etwas für mich gefunden, das genau diese Neugierde stillt: Cosmos: A Spacetime Odyssey ist das Remake einer Wissenschaftsserie von 1980 und erklärt mir die Welt. Und außerdem das Universum. Innerhalb einer Folge werden da auch schon mal nacheinander und ohne Luft zu holen Photosynthese, Geruchsstimulation, der Aufbau von Atomen, Kernfusion, Neutrinos und der Energieerhaltungssatz abgearbeitet. Zur Auflockerung gibt es in jeder Folge noch die ein oder andere Anekdote. Beispielsweise, dass Isaac Newtons Hauptwerk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“ von der Royal Society zwar abgenickt, aber dann doch nicht selber finanziert wurde, weil die ihr Budget schon für De Historia Piscium, die Geschichte der Fische, auf den Kopf gehauen hatten. Herrlich!

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bislang erst sechs Folgen gesehen habe. Das liegt ganz einfach daran, dass ich mich dafür dann auch wirklich 45 Minuten lang am Stück konzentrieren muss. Ich will mir schließlich weder irgendwelches Wissen, noch irgendeinen Fun Fact entgehen lassen. Wer weiß, auf welcher Party man das nicht doch noch mal gebrauchen kann.