Ich bin dann wohl Sexistin.

Ich habe dieses künstliche Gendergeflenne als Studentin schon nicht verstanden. Und da war ich von Soziolog_innen umgeben, glaubt mir, sie haben alles versucht.

Natürlich ist es falsch, dass Frauen für die selbe Arbeit weniger Geld bekommen. Natürlich ist es falsch, wenn Jungs dafür gemobbt werden, dass sie mit Puppen spielen. Und natürlich ist es falsch, Mädchen ihre Hobbies zu verbieten, weil sie irgendjemand „zu männlich“ findet.

Ich kann sehr wohl zwischen Sex und Gender unterscheiden, Von daher würde es mir nie einfallen abzustreiten, dass das Rollenverständnis in unserer Gesellschaft zu einem großen Teil kulturell bedingt ist. Ich halte es ja auch nicht generell für Unsinn, genderbezogene Probleme zu thematisieren und an Lösungen zu arbeiten. Was mir aber äußerst auf den Zwirn geht ist, dass mittlerweile Eltern, Werber und der liebe Gott sofort kritisch beäugt und niedergemacht werden, wenn sie nicht bilderbuchmäßig genderneutral verhalten. Jetzt mal ehrlich: Verbietet ihr eurer Tochter wirklich nachmittags bei ihrer Freundin mit deren Barbies zu spielen, nur weil ihr die Figur frauenverachtend und klischeebehaftet findet?

Wer mir an dieser Stelle ein überzeugtes „Ja!“ entgegenschmettert, hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Die letzten drei Generationen der westlichen Frau sind definitiv nicht komplett verkorkst aufgewachsen, weil sie eine dünne, blonde und sehr pinke Puppe zum Spielen hatten. Wenn mein Sohn einmal Power Rangers gucken, Kart fahren, Maschinenbau studieren und seiner Freundin die Barrechnung bezahlen möchte, dann soll er das doch herrgottnochmal tun. Und solange er nicht explizit etwas anderes äußert, bekommt er von mir eine Carrera Bahn und keinen Puppenwagen zu Weihnachten.

Ich kann über Frauen-Bratwürste und Männer-Chips schmunzeln. Sind kleine Mädchen häufiger Prinzessinnen und Jungs Piraten, weil ihnen das von uns so eingebläut wird oder steckt das nicht doch zumindest zum Teil in ihren Genen? Ich weiß es nicht und es wird niemals jemand empirisch be- oder widerlegen können. Die Worte „normal“ und „unnormal“ darf ein toleranter Mensch eigentlich gar nicht mehr benutzen, weil sie so negativ besetzt sind. Aber der Norm entspricht halt einfach zunächst einmal das, was wir von unserem Gegenüber erwarten und wenn das nicht passt, müssen wir halt unsere Erwartungen anpassen.

Zwing dein Kind in keine Rolle. Wer das beherzigt, ist tolerant genug. Und zwingt mich bitte auch nicht in irgendeine Rolle. Es hat jahrzehntelang keine Sau gejuckt, dass es Duschgel explizit „for Men“ gibt. Natürlich sind Gendergewürzgürkchen lächerlich, aber frau kann sich ruhig auch mal eingestehen, dass sie es „normalerweise“ durchaus etwas milder und süßer mag, genauso wie der Werbeschaffende es ihr unterstellt.

Körperkunst.

Jetzt ist mein Laub schon auf den Tag genau zwei Monate alt. Vor drei Wochen wurden dann noch einzelne Macken ausgebessert und Konturen nachgezogen. Bei 4 1/2 Stunden Arbeit und mehreren Schichten Farbe bleibt das (fast) nicht aus.

Aber nun ist es erst einmal fertig.

tattoo herbst laub blätter

Entworfen und gestochen von Nicole, von Tattoo Family Eisenhauer in Lemgo. Und weil es mir so gut gefällt, darf sie nächstes Jahr daran weiterarbeiten, bis es mir bis zum Ellenbogen reicht.

Deshalb auch „erst einmal fertig“.