Live noch besser als wie auf Platte.

Ich greife hin und wieder gerne mal ein Stöckchen auf, das man mir vor die Füße wirft und dieses Mal heißt es: Bands, die ich unbedingt einmal live sehen muss. Ein paar davon sind zum Glück schon zum Greifen nahe und die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich gewählt.

Na dann legen wir doch mal los:

Bands, für die ich schon Karten habe

Against Me! (2x)
The Offspring
Bad Religion

Bands, für die ich noch Karten brauche

Limp Bizkit
Farin Urlaub Racing Team

Bands, die mal (wieder) rumkommen müssten

The Rumjacks
Reel Big Fish
Streetlight Manifesto
Boysetsfire
Lagwagon
Seeed
3 Doors Down
Rise Against

Bestimmt habe ich irgendwen total wichtiges vergessen. Und sicherlich ich das nur eine Momentaufnahme. Außerdem bedauere ich es, dass ich einige Bands und auch Sänger niemals live sehen werde, außer Emmett Brown parkt plötzlich vor meinen Füßen. The Ramones. The Clash. Dead Kennedys. Sex Pistols. The Pogues. Johnny Cash. Und die Wohlstandskinder, bei denen ich es in jungen Jahren so lange hinausgezögert habe, bis es sie nicht mehr gab.

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Wir spielen in einer Daily Soap.

Ich twittere täglich. Ich blogge wöchentlich. Ich chatte mein halbes Leben und dennoch frage ich mich an Tagen wie heute plötzlich: Was hat das Internet aus unserer Privatsphäre gemacht? Sind wir nun alle zu Voyeuren geworden? Unfreiwillig? Freiwillig?

Zufällig habe ich mitbekommen, dass Freunde von mir auf Facebook untereinander nicht mehr befreundet sind. Weil eine Geburtstagseinladung eintrudelte und einer von ihren unerwartet auf der Gästeliste fehlte. Und wie die Neugierde zeigte, nicht nur dort. Früher hätte man das erst auf der Feier selbst mitbekommen. Oder man wäre voll ins Fettnäpfchen gelatscht, weil man denjenigen gefragt hätte, ob er sich am Geschenk beteiligen möchte. Heute weiß irgendwie jeder ein bisschen Bescheid, doch nie etwas genaues.

Den Begriff „Freunde“ benutzt Facebook seit Beginn an inflationär. Mit dieser Aussage erfinde ich das Rad nicht neu. Ein Freund ist fast jeder, der mir mal irgendwann auf irgendeiner Party ein Kotelett an die Backe laberte. Es bedeutet, dass ich dulde, dass diese Person bei mir mitliest. Jemanden wieder zu entfreunden kann im besten Fall bedeuten, dass man gerade seine Freundesliste ausmistet. Dass man Diskobekannschaften und die Haustiere der Geschwister seiner Schulfreunde zu den Akten legt. Oder aber es ist ein ziemlich eindeutiges „Hau ab aus meinem Leben“. Denn mein Leben geht an jetzt nichts mehr an.

Aus diesem Grund finde ich auch die öffentlichen Beziehungsstatusse ganz skurril. Klar, das 79. „Freut mich für euch!“ ist eine tolle Sache, aber was ist, wenns in die Brüche geht? Möchte ich wirklich allen Freunden, Bekannten, Kotelett-an-die-Backe-Rednern und meiner Mutter(!) ganz beiläufig mitteilen, dass ich gerade vor einem Scherbenhaufen sitze? Gejammert wird doch nur über Twitter oder beim Bier, Facebook ist oberflächlicher Quatsch.

Und trotzdem kann auch ich nicht anders und muss in diesen Momenten mal eben schnell nachlesen. Nachlesen, ob es öffentlichen Streit gab. Seit wann das schon so sein könnte. Ob da noch mehr Leute drin hängen. Wir die Zuschauer einer Seifenoper wollen wir keine Folge verpassen, wollen Intrigen, Sex und Tränen live miterleben. Erving Goffman schrieb: „Wir alle spielen Theater.“ Tagein, tagaus hangeln wir uns von einer Rolle zur nächsten. Er hätte es wohl niemals für möglich gehalten, wie groß unser Publikum einmal sein wird.

Ms. Horrible’s Sing-Along Blog

Manchmal denke ich mir, es wäre schon ganz cool, wenn der Alltag einen Soundtrack hätte. Nein, mein Leben soll keine Musicalepisode haben. Ich möchte um Himmels willen nicht, dass vor mir jemand auf den Bürgersteig springt und mir „They got the mustard out!“ ins Gesicht schmettert. Außer die Nummer würde von Zach Braff performt, dann könnten wir da noch einmal drüber reden. Aber wenn über den Tag verteilt immer wieder Musik einsetzen würde, die Spannung aufbaut, vor einer gefährlichen Situation* warnt (*mir) oder alle im richtigen Moment zu Tränen rührt, fände ich das recht amüsant.

 

Nach dem vierten Snoozen

The first song of the day should give you a real good start
This song should remind all lovers to kiss before they part
Instead it’s often torture, it’s often pain
Sometimes those songs are liable to drive your mind insane

Bela B. – Lee Hazlewood & Das Erste Lied Des Tages

Radio am Morgen ist auch so ein totales Unding. Man mag es kaum glauben, aber euer Berufssonnenschein ist ein Morgenmuffel. Wer mich vor der zweiten Tasse Kaffee anspricht, riskiert seinen Kopf. Das gilt auch für Radiomoderatoren. Was meinen eigenen Kopf leider nicht davon abhält, regelmäßig mit den übelsten Ohrwürmern an den Start zu gehen. Ach, welch‘ Ironie.

 

In der Stadtbahn

It’ll take you as high as the Heavens
It’ll take you to the depths of Hell
It’ll make you friends, it’ll take your friends
Who will never live to tell

Social Distortion – Drug Train

Es gibt eine eisenere Regel in Bielefeld: Die komischen Vögel fahren immer Bahn. Gerade auf dem Weg zur Arbeit, wo man sowieso immer die selben Leute sieht und deren Eigenheiten genauestens unter die Lupe nehmen kann. Ein schier endloser Trip. Naja, wahrscheinlich finden die mich nicht weniger skurril.

 

Was mache ich eigentlich hier?

Everybody wants to be an astronaut
And take the long tall trail into the stars
Everybody wants to show a brother what they got
Everybody wants to be an astronaut

Royal Republic – Everybody Wants To Be An Astronaut

Die späte Erkenntnis nach dem ersten Blick in den Posteingang: Hätte ich doch bloß etwas gescheites gelernt. Astronaut. Cowgirl. Verrückter Professor. Hauptsache irgendetwas ohne Kunden.

 

Der Lichtblick

The waiting seems eternity
The day will dawn of sanity
Is this a kind of magic?
It’s a kind of magic

Queen – A Kind Of Magic

Hat da etwa gerade etwas geklappt? Kam da wirklich ein Lob? Dann ist jetzt der richtige Moment, um eine Runde um die Schreibtischinsel zu tanzen, die Kaffeetasse durch die Luft zu wirbeln und sich selbst zu feiern. Ällabätsch, ich bin klug und ihr seid’s nicht.

 

Zu früh gefreut

Do you remember
when you were young and you wanted to set the world* on fire?

*this place
Against Me! – I Was A Teenage Anarchist

Wie uns die Emma kürzlich lehrte, werden Amokläufe fast ausschließlich von Männern begangen. Ich kann persönlich nicht bestätigen, dass Frauen seltener den Drang verspüren, einfach einmal alles anzuzünden. Denn aktuell hilft mir nur die gelegentliche Lektüre eines Dilbert-Comics , damit ich mir überhaupt noch irgendwie einreden kann, dass das alles so vollkommen normal ist.

 

Gute Nacht

Must it take a life for hateful eyes
To glisten once again
‚Cause we find ourselves in the same old mess
Singin‘ drunken lullabies

Flogging Molly – Drunken Lullabies

Wer sich regelmäßig abends mit den Worten „Wie immer.“ verabreden kann, der kann auch von „the same old mess“ sprechen. Könnte schlimmer sein.