Atheisten sind dumm. Christen aber auch.

Ich hatte hier ja schon Weihnachten mein Coming-out, als ich zugab, kein richtiger Atheist zu sein. Noch hat mich keine Freakshow angeheuert, aber ich rechne quasi minütlich damit abtransportiert zu werden. Allerdings habe ich für mich auch noch ein 11. Gebot: Du musst noch so viel Restverstand behalten, dass du es checkst, wenn deine Glaubensrichtung Unsinn verzapft.

Aktueller Fall auf Spiegel Online: Religionsstreit an bayerischer Schule: „Atheisten sind dumm“. Ok, Punkt 1: Dass das gerade wieder in Bayern passiert, wundert nun wirklich niemanden mehr. Punkt 2: Stimmt, es gibt wirklich saublöde Menschen, die noch dazu Atheisten sind. Aber definitiv nicht alle. Konkret geht es dort mal wieder um einen Schulleiter, der seinen Schülern und am besten noch dem gesamten Kollegium und allen Eltern seinen eigenen, katholischen Glauben als das Maß aller Dinge aufzwingen will. Inklusive Gebet im Unterricht („Lieber Gott, falls das mit den Dinos und der Evolution eine Lüge ist, lass bitte dieses Biobuch in Flammen aufgehen, sonst muss ich es gleich wieder selber verbrennen.“) und Segnungen Abtrünniger in der Fastenzeit („Dieser Lolli ist des Teufels!“). Und wer nicht an den lieben Gott glauben und sich nicht durch Jesus vor der ewigen Verdammnis retten lassen will, der ist halt dumm.

Das kann man gerne glauben, wenn man möchte. Solange man damit niemandem auf die Nerven fällt. Das ist wie mit Veganern: Mir doch egal, was du isst oder – viel mehr – nicht isst, aber erzähl mir bitte nicht ständig davon. Danke. Leider gibt es haufenweise Christen, die anderen in einer Tour ihre ganz persönliche Lebenseinstellung vor die Nase halten müssen. Ich will das aber alles gar nicht wissen. Wenn jemand vor der Ehe keinen Sex haben möchte, dann ist das seine Sache. Wenn jemand vor dem Essen beten möchte, dann ist das seine Sache. Und wenn du freitags Fisch essen möchtest, dann lass mich gefälligst auch mal beißen.

Aber genauso wie nicht jeder Atheist zwangsläufig mit minderer Intelligenz gesegnet ist, so ist auch nicht jeder Gläubige aus Prinzip dämlich. Niemand muss verstehen können, wieso jemand anderes an ein höheres Wesen glaubt. Das verstehe ich ja selbst nicht, auch wenn ich mich die meiste Zeit zu diesen Bekloppten dazuzählen würde. Vielleicht ist bei diesen Leute irgendeine Gehirngegend anders verkabelt. Aber deshalb kann man ja dennoch ein ansonsten normal denkender und toleranter Mensch sein. Wer als Atheist das verleugnet, ist dumm.

Ja, die im Vatikan spinnen. Das Ergebnis der Volksabstimmung als „Niederlage für die Menschheit“ zu betiteln, ist einfach nur widerlich. Dabei geht nur leider vollkommen unter, dass sich der Standpunkt der evangelische Kirche in Deutschland zum Thema Familie und Homosexualität hingegen in den letzten 15 Jahren so stark gewandelt hat, dass seit 2013 feste Partnerschaften aller Art als gleichwertig betrachtet werden sollen. Auch die zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau. Ob mit oder ohne Trauschein. Wer den Segen der evangelischen Kirche möchte, der soll ihn bekommen. So steht es zumindest in dem sogenannten Familienpapier „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“. Das muss leider nicht bedeuten, dass das jeder evangelische Pastor und seine Schäfchen genauso sehen. Aber es zeigt zumindest, dass auch nicht alle Christen dumm und weltfremd sind.

Werbeanzeigen

Coverriculum Vitae.

Eure gute Cover ist kein Bewerbungsguru. Nee nee. Neeeee. Gott bewahre. Aber wenn ich mir mal überlege, wie oft ich in den letzte neun Jahren (Abi 2006 – 13 Jahre Warten auf Freitag) meine Bewerbungsunterlagen aktualisiert habe, dann wird mir schon ein bisschen schwindelig. Und es ist vollkommen egal, ob man sich zuletzt vor zwei Minuten, zwei Monaten oder vor zwanzig Jahren irgendwo beworben hat: Das Zeug muss immer noch einmal komplett auseinander genommen werden.

Jedes. Verdammte. Mal.

Schritt 1: Wo war denn nur der Lebenslauf?

Am einfachsten wäre es ja, wenn man seinen alten Lebenslauf einfach nur noch mal fix aufpolieren müsste. Aber der ist unter Garantie nicht auffindbar. Verschickt, abgespeichert, schnell ’ne Tasse Kaffee geholt und weg ist das Ding. Pfutschikato. Läuft wahrscheinlich mit der verschollen geglaubten zweiten Socke händchenhaltend in den Sonnenuntergang.

Schritt 2: Finde heraus, als was du gerade arbeitest

Man verbringt so um die 225 Tage im Jahr auf der Arbeit, acht Stunden am Tag und das in meinem Fall seit drei Jahren. Und nun soll die Quintessenz dieser Rolle als AvD in drei bis fünf Zeilen passen. Manchmal wäre ich in solchen Momenten gerne auf dem Bau beschäftigt: Hallo, ich bin Baggerfahrer und kann Bagger fahren und ganz, ganz tiefe Löcher baggern.

Schritt 3: Formatiere dich um den Verstand

Egal was du tust, der Lebenslauf wird immer zwei Zeilen zu lang sein, um auf eine Seite zu passen. Während man im Studium immer schön die Ränder und Zeilenabstände so eingestellt hat, dass aus sieben Seiten Text die geforderten fünfzehn wurden, muss man dieses wertvolle Können nun andersherum unter Beweis stellen. Achtung: Dies rechtfertigt dann auch ein „fortgeschritten“ hinter der Frage nach den Office-Kenntnissen.

Schritt 4: Einmal recht freundlich

Natürlich darf ein Bewerbungsfoto bei der ganzen Sachen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Niemals. Das wäre ja vollkommen ungerecht und ganz und gar oberflächlich. Pfui. Aufschrei. Aber irgendwie kann man es den Personalern auch nicht verübeln, wenn die zumindest einen ersten Eindruck haben möchten. Da ist es übrigens unfassbar hilfreich, wenn man mal fix die Mutter aus der besten Aufnahme des Familienshootings herausretuschieren kann. Denn wie wusste die schon stets besser zu wissen: Das Leben ist für die beschissen, die sich nicht zu helfen wissen.

Schritt 5: Wer bin ich – und wenn ja wie viele?

Was zur Hölle zeichnet mich eigentlich aus? Teamgeist? Schnelle Auffassungsgabe? Ehrgeiz? Alles Floskeln. Es wird niemand in seine Bewerbung schreiben, dass er Menschen total kacke findet und seine Arbeitszeit auf Twitter verbringt. Also wenn ich’s mir recht überlege… beim Kinderturnen würde ich durchaus durch eine ganz passable Rolle vorwärts positiv hervorstechen. Und ich kann die Zunge rollen. Naja, zur Hälfte. Ich kann außerdem recht gut backen. Das könnte beim potentiellen neuen Chef schon eher ziehen. Der Rest wird halt aus der Annonce abgeschrieben, die müssen schließlich wissen, wie ich sein soll.

Schritt 6: Kill your darlings

Interessiert die das alles jetzt wirklich? Beim letzten Mal war doch noch das superduperdolle Masterstudium das Argument für alles und nun hat sich das ganz hinten auf den Lebenslauf verkrümelt. Ich soll mit meinen 28 Lenzen ja sowieso bereits 29 Jahre Praxiserfahrung verweisen können und dann darf das Anschreiben auch so aussehen. Das teure Studium verkriecht sich zur Grundschule auf die Reservebank und Hobbys hat man ja eh schon seit Jahren keine mehr.

Schritt 7: Äh, wohin eigentlich?

Also idealerweise kommt Schritt 7 natürlich ganz am Anfang, aber das hätte den Spannungsbogen zerstört. Aber es ist auch ein ganz wichtiger Gedanke für die Individualisierung des Anschreibens, denn jede Firma möchte ganz gerne glauben, dass man sich nur bei ihnen beworben hat. Weil sie so unfassbar toll sind und so sympathisch rüberkommen und die Produkte einfach weltklasse sind und man von der nächsten Klippe springen wird, wenn sie einen nicht nehmen. Zum Glück sind Klippen in Bielefeld eher Mangelware.

Schritt 8: Wer hat denn den Kappes verzapft?!

Korrekturlesen. Ganz, ganz, ganz wichtig. Am besten lässt man wirklich noch mal jemanden draufgucken. Denn spätestens nach dem dritten Satz wird einem schlagartig bewusst, dass man sämtliche Grammatikkenntnisse gleich zu Beginn verloren hat. Zusammen mit der aktuellsten Version vom Lebenslauf.

Schritt 9: Abschicken \o/

Es ist vollbracht! Leicht geflickt, ein bisschen angsteinflößend und mit wenig Hirn, aber Frankensteins Monster hat es ja auch irgendwie durch den ersten Testlauf geschafft. Nun muss man es nur noch hinbekommen, die ganzen Unterlagen auch dem richtigen Empfänger zuzuordnen, damit man  am Ende nicht doch noch mit Mistgabeln und Fackeln durchs Dorf getrieben wird. Bei Bewerbungen in ostwestfälischen Randgebieten (Dornberg, Verl, Borgholzhausen) nicht ganz unwahrscheinlich.

Schritt 10: Das Land verlassen /o\

Es ist ganz egal, wie gründlich man war. Egal wie oft man noch einmal drübergelesen hat, wie oft man jede Zahl kontrolliert hat: Irgendeinen saublöden Fehler übersieht man immer. Jedes. Verdammte. Mal. Neulich hatte ich sogar mal einen Zahlendreher in der Handynummer, zum Glück nur auf einer Seite. Aber scheiß der Hund drauf: Den anderen Bewerbern ergeht es doch auch nicht anders.

Just a spoonful of sugar helps the medicine go down.

In ev’ry job that must be done
There is an element of fun
You find the fun and snap!
The job’s a game

Mary Poppins hatte gut reden. Wenn Leergut und Altglas mit einem Fingerschnipp aus der Tür marschieren würden, würde ich auch den ganzen Tag nur noch aufräumen. Ach was: Ich würde mir den Hut des Zauberlehrlings aufsetzen und die komplette Stadt aufräumen. Mit etwas Glück dackeln Faschos, CDU-Wähler und die ganze restliche, intolerante Deppenschaft da auch direkt den anderen Flaschen hinterher.

fantasia

Aber leider geht das nicht so einfach. Als ich im November 2012 endlich in meine erste eigene Singlewohnung zog, dachte ich noch: „Geil, kaum noch putzen!“ Denn wenn nur noch eine Person das Bad benutzt und nicht mehr vier, dann muss es doch auch viermal so lange sauber bleiben, richtig? Simpler Dreisatz. Hmmm. Tja. Falsch gedacht. Schnell durchgewischt, zur Tür raus und in dem Moment erbricht sich wahrscheinlich der Kosmetikeimer einmal quer durch den Raum. Anders kann ich mir den Reset in den ungeputzten Zustand innerhalb von Minuten nicht erklären.

Dabei bin ich beileibe kein Pingel. Bis vor wenigen Jahren war der Fußboden in meinem Zimmer immer noch mein eigener, begehbarer Kleiderschrank. Naja, „begehbar“. Ich muss mich nur in meiner Wohnung wohlfühlen und Unordnung drückt mir da mittlerweile auf die Stimmung. Der Haken an der Sache: Sauber machen ist auch nicht besser. Hauselfen, Heinzelmännchen, Herren mit Putzfimmel… warum verirrt sich nicht mal einer hierhin? Und wenn sich dann auch noch die Eltern angekündigt haben, wird’s echt stressig. Schaffe ich es in den nächsten zwei Wochen noch mal zum Pfandautomaten oder sollte ich die Flaschen einfach im Kleiderschrank verstecken? Das Bad putzen oder direkt fluten? Oder vielleicht doch eine Musterwohnung anmieten und mit den Leuten auf den Stockfotos prahlen?

My life is bitter, but it’s also sweet.

Diese Überschrift wird Ihnen präsentiert von MxPx mit Stay On Your Feet. Und was kann sweeter sein als feinster Live-Punkrock? Richtig: Nichts. Bier trinken, mitgröhlen, rumwippen und dem echten Leben für ein paar Stunden den Mittelfinger zeigen. Nachdem dieser ätzende, konzertarme Winter nun endlich vorbei war, ging es in den letzten Tagen plötzlich Schlag auf Schlag: Social Distortion, Against Me! und Millencolin. Drei Knallerbands in 2 1/2 Wochen. So zumindest die Erwartungen und die wurden mehr als erfüllt.

Social Distortion – 18. April, Bielefeld

Wenn Mike Ness und seine Truppe in die Stadt kommen, dann muss man da hingehen. Auch wenn einem der Ticketpreis Tränen in die Augen treibt. Denn was der alte Mann da auf der Bühne abzog, davon kann sich so mancher Mini-Punkrocker eine ordentliche Scheibe abschneiden.

Nächstes Mal drängel ich definitiv näher ran. So war es sehr gute Musik mit weniger gutem Bier, aber für das richtige Konzertfeeling muss ich doch weiter rein in den Pulk. Soviel vorweg: Das ist mir nur 6 Tage später auf jeden Fall gelungen. Und jeder einzelne Euro war an diesem Abend gut investiert, denn die Altmeister Social D muss man als Punkrock-Fan mindestens einmal gesehen haben.
DSC_1040

Against Me! – 24. April, Hannover

Was macht man, wenn der einzige freie Platz im komplett ausverkauften Faust mitten vor der Sängerin ist, ohne Absperrgitter und Bühnengraben? Ganz genau, man freut sich ’nen Ast ab und gibt alles. Bei Against Me! überhaupt kein Problem, da bleibt keiner lange mit beiden Beinen auf dem Boden. Ich habe es noch nie erlebt, dass neue Songs einer Band so dermaßen gefeiert wurden, aber das aktuelle Album „Transgender Dysphoria Blues“ scheint die Ausnahme von jeder denkbaren Regel zu sein.

Natürlich waren auch die wichtigen Klassiker dabei, wie „Don’t Lose Touch“, „Trash Unreal“ und mein vergleichweise junger Liebling „“I Was a Teenage Anarchist“. Natürlich sind es immer diese Abende, an denen man während der letzten Zugabe fluchtartig das Gebäude verlassen muss, weil die Bahn leider keine Rücksicht auf arme Konzertbesucher nimmt. Saftladen. Egal. Mein Fazit: Saugeil und ich freue mich wie Bolle auf eine Wiedersehen auf dem Serengeti.
DSC_000031DSC_0013DSC_0015

Millencolin – 04. Mai, Köln

Millencolin haben mich eigentlich gar nicht interessiert. Dieser ganze Skatepunk war nie so wirklich meine favorisierte Musikrichtung, mittlerweile nähern wir uns aber ganz vorsichtig immer mehr an. Jedenfalls musste ich sowieso für eine Nacht nach Köln, hatte keine Lust mit meinem Kollegen rumzuhängen und wenn so eine Band quasi direkt vor der Hotelzimmertür aufspielt: Warum nicht?

Um es kurz zu machen und mich selbst zu zitieren: Sie schafften es von „kann man mal mitnehmen“ zu „meine Fresse, sind die geil!“ in drei Songs. Das Publikum gab alles und zog 75 Minuten lang konsequent den Circle Pit durch. Ich habe es leider versäumt, den Gitarristen hinterher für zuhause einzupacken, aber dann mache ich das halt beim nächsten Mail. Und ich habe die Befürchtung, dass mich dieser Skatepunk mit 15 Jahren Verspätung doch noch kriegt.
DSC_000027

Gesamtfazit: Gebt mir mehr davon!

Wenn man krank ist, geht man halt zum Arzt.

Wenn der Zahn empfindlich reagiert, geht man zum Zahnarzt. Wenn die Haut empfindlich reagiert, geht man zum Hautarzt. Und wenn der Kopf empfindlich reagiert, geht man zum Kopfarzt. Zum Psychologen oder Psychotherapeuten, was man halt so braucht. Da kann man noch so stark sein, wenn man krank ist, ist man krank. Ich habe bis letzten Monat gebraucht, um das zu kapieren.

Nein, ich nicht depressiv. Mein Entschluss hatte keinen akuten Auslöser und ich befinde mich gerade definitiv nicht in der schlimmsten Phase der letzten Jahre. Von dieser bin ich, nicht zuletzt dank eines stabilen und ziemlich großartigen Freundeskreises, meilenweit entfernt. Selbst- und Fremdwahrnehmung sind bei mir gestört und das schon so lange ich denken kann. Vor einem Jahr schrieb ich mit Selbstsicher unsicher. sogar schon einmal einen Blogeintrag über dieses Problem, ohne dass es mir da bewusst war. Habt also lieber Angst vor der Post-Therapie-Person mit dezimierten Dachschaden, denn die kennt ihr bislang noch nicht.

Wenn ich also demnächst Wartezimmertweets aus dem Vorzimmer meiner Psychotante verschicke, dann amüsiert euch mit mir über schiefe Bilder und esoterisch angehauchte Stehrümchen. Leider, leider gibt es da keine Mitwartenden, aber vielleicht macht die Efeutute ja irgendwann einmal spontan etwas total lustiges. Stürzt sich die Treppe hinunter oder so. Das fänd ich jedenfalls saukomisch.