Geburtstage sind fürn Arsch.

Ich bin schon undankbar. Während das Handy im Wechsel grün, rot und blau blinkt, Menschen versuchen mich anzurufen und mir einfach nur gratulieren wollen, sitze ich zusammengekauert auf dem Sofa und schreibe einen Blogeintrag, wie furchtbar das doch alles ist.

Früher konnte man sich noch weitestgehend unbemerkt durch den Tag mogeln. Die besten Freunde wünschten einem unauffällig alles Liebe, das war gut und damit hatte sich die Sache. Heute weiß dank Social Media jeder sofort, wann man sich mal wieder eine besonders kreative Umschreibung für „Glückwunsch!“ ausdenken muss. Der Tag hat wunderschön zu werden, man solle ihn genießen und so weiter und so fort. Jetzt mal ehrlich: Ist das bei euch wirklich so?

Ich habe heute ausnahmsweise mal an meinem Geburtstag frei. Und das eigentlich auch nur, weil ich Resturlaub loswerden muss. Denn anders als vor zwanzig Jahren kommt niemand zum Topfschlagen, dem Schokoladenwettessen oder der Schnitzeljagd vorbei. Dafür stehen aber auch keine Verwandten auf der Matte. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das eigentlich ganz gut. Ok, damals waren wenigstens die Geschenke ganz geil. Aber was bringt einem das neue Fahrrad, wenn man eh zuhause bleiben muss, weil „Omma und Oppa gleich bestimmt noch anrufen“? Voll unfair.

Morgen wären da dann noch die Kollegen auf der Arbeit. Wo man sich wieder völlig irritiert gegenüber steht und nicht weiß, ob man sich umarmen muss oder doch einfach nur die Hand geben darf. Wahrscheinlich werde ich aber sowieso aus der Stadt gejagt, weil ich es nicht einsehe, in einer Woche zweimal Frühstück mitzubringen. Ganz genau, richtig gehört: Ich wäre für das leibliche Wohl der anderen zuständig. Da hat man Geburtstag, soll sich ausdrücklichst erholen, Carpe diem und so… und nebenher noch zwei Kuchen und einen Schnittchen für zwanzig Mann machen.

Und der wichtigste Punkt: Ich stehe schlicht und einfach ungerne im Mittelpunkt. Morgen will dann auch wieder jeder Wissen, was ich heute so getrieben habe. Nunja: Es ist nach 19 Uhr, ich trug heute noch keine Hose und ich habe nicht vor, daran noch etwas zu ändern. Vielleicht überlege ich mir dafür noch schnell zwanzig verschiedene Geschichten, vom Baggerfahrerführerschein bis zum Wildwasserrafting auf der Ems.

Jetzt dürft ihr mich alle hassen. Müsst ihr aber nicht.