My life is bitter, but it’s also sweet.

Diese Überschrift wird Ihnen präsentiert von MxPx mit Stay On Your Feet. Und was kann sweeter sein als feinster Live-Punkrock? Richtig: Nichts. Bier trinken, mitgröhlen, rumwippen und dem echten Leben für ein paar Stunden den Mittelfinger zeigen. Nachdem dieser ätzende, konzertarme Winter nun endlich vorbei war, ging es in den letzten Tagen plötzlich Schlag auf Schlag: Social Distortion, Against Me! und Millencolin. Drei Knallerbands in 2 1/2 Wochen. So zumindest die Erwartungen und die wurden mehr als erfüllt.

Social Distortion – 18. April, Bielefeld

Wenn Mike Ness und seine Truppe in die Stadt kommen, dann muss man da hingehen. Auch wenn einem der Ticketpreis Tränen in die Augen treibt. Denn was der alte Mann da auf der Bühne abzog, davon kann sich so mancher Mini-Punkrocker eine ordentliche Scheibe abschneiden.

Nächstes Mal drängel ich definitiv näher ran. So war es sehr gute Musik mit weniger gutem Bier, aber für das richtige Konzertfeeling muss ich doch weiter rein in den Pulk. Soviel vorweg: Das ist mir nur 6 Tage später auf jeden Fall gelungen. Und jeder einzelne Euro war an diesem Abend gut investiert, denn die Altmeister Social D muss man als Punkrock-Fan mindestens einmal gesehen haben.
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Against Me! – 24. April, Hannover

Was macht man, wenn der einzige freie Platz im komplett ausverkauften Faust mitten vor der Sängerin ist, ohne Absperrgitter und Bühnengraben? Ganz genau, man freut sich ’nen Ast ab und gibt alles. Bei Against Me! überhaupt kein Problem, da bleibt keiner lange mit beiden Beinen auf dem Boden. Ich habe es noch nie erlebt, dass neue Songs einer Band so dermaßen gefeiert wurden, aber das aktuelle Album „Transgender Dysphoria Blues“ scheint die Ausnahme von jeder denkbaren Regel zu sein.

Natürlich waren auch die wichtigen Klassiker dabei, wie „Don’t Lose Touch“, „Trash Unreal“ und mein vergleichweise junger Liebling „“I Was a Teenage Anarchist“. Natürlich sind es immer diese Abende, an denen man während der letzten Zugabe fluchtartig das Gebäude verlassen muss, weil die Bahn leider keine Rücksicht auf arme Konzertbesucher nimmt. Saftladen. Egal. Mein Fazit: Saugeil und ich freue mich wie Bolle auf eine Wiedersehen auf dem Serengeti.
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Millencolin – 04. Mai, Köln

Millencolin haben mich eigentlich gar nicht interessiert. Dieser ganze Skatepunk war nie so wirklich meine favorisierte Musikrichtung, mittlerweile nähern wir uns aber ganz vorsichtig immer mehr an. Jedenfalls musste ich sowieso für eine Nacht nach Köln, hatte keine Lust mit meinem Kollegen rumzuhängen und wenn so eine Band quasi direkt vor der Hotelzimmertür aufspielt: Warum nicht?

Um es kurz zu machen und mich selbst zu zitieren: Sie schafften es von „kann man mal mitnehmen“ zu „meine Fresse, sind die geil!“ in drei Songs. Das Publikum gab alles und zog 75 Minuten lang konsequent den Circle Pit durch. Ich habe es leider versäumt, den Gitarristen hinterher für zuhause einzupacken, aber dann mache ich das halt beim nächsten Mail. Und ich habe die Befürchtung, dass mich dieser Skatepunk mit 15 Jahren Verspätung doch noch kriegt.
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Gesamtfazit: Gebt mir mehr davon!

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Live noch besser als wie auf Platte.

Ich greife hin und wieder gerne mal ein Stöckchen auf, das man mir vor die Füße wirft und dieses Mal heißt es: Bands, die ich unbedingt einmal live sehen muss. Ein paar davon sind zum Glück schon zum Greifen nahe und die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich gewählt.

Na dann legen wir doch mal los:

Bands, für die ich schon Karten habe

Against Me! (2x)
The Offspring
Bad Religion

Bands, für die ich noch Karten brauche

Limp Bizkit
Farin Urlaub Racing Team

Bands, die mal (wieder) rumkommen müssten

The Rumjacks
Reel Big Fish
Streetlight Manifesto
Boysetsfire
Lagwagon
Seeed
3 Doors Down
Rise Against

Bestimmt habe ich irgendwen total wichtiges vergessen. Und sicherlich ich das nur eine Momentaufnahme. Außerdem bedauere ich es, dass ich einige Bands und auch Sänger niemals live sehen werde, außer Emmett Brown parkt plötzlich vor meinen Füßen. The Ramones. The Clash. Dead Kennedys. Sex Pistols. The Pogues. Johnny Cash. Und die Wohlstandskinder, bei denen ich es in jungen Jahren so lange hinausgezögert habe, bis es sie nicht mehr gab.

Ms. Horrible’s Sing-Along Blog

Manchmal denke ich mir, es wäre schon ganz cool, wenn der Alltag einen Soundtrack hätte. Nein, mein Leben soll keine Musicalepisode haben. Ich möchte um Himmels willen nicht, dass vor mir jemand auf den Bürgersteig springt und mir „They got the mustard out!“ ins Gesicht schmettert. Außer die Nummer würde von Zach Braff performt, dann könnten wir da noch einmal drüber reden. Aber wenn über den Tag verteilt immer wieder Musik einsetzen würde, die Spannung aufbaut, vor einer gefährlichen Situation* warnt (*mir) oder alle im richtigen Moment zu Tränen rührt, fände ich das recht amüsant.

 

Nach dem vierten Snoozen

The first song of the day should give you a real good start
This song should remind all lovers to kiss before they part
Instead it’s often torture, it’s often pain
Sometimes those songs are liable to drive your mind insane

Bela B. – Lee Hazlewood & Das Erste Lied Des Tages

Radio am Morgen ist auch so ein totales Unding. Man mag es kaum glauben, aber euer Berufssonnenschein ist ein Morgenmuffel. Wer mich vor der zweiten Tasse Kaffee anspricht, riskiert seinen Kopf. Das gilt auch für Radiomoderatoren. Was meinen eigenen Kopf leider nicht davon abhält, regelmäßig mit den übelsten Ohrwürmern an den Start zu gehen. Ach, welch‘ Ironie.

 

In der Stadtbahn

It’ll take you as high as the Heavens
It’ll take you to the depths of Hell
It’ll make you friends, it’ll take your friends
Who will never live to tell

Social Distortion – Drug Train

Es gibt eine eisenere Regel in Bielefeld: Die komischen Vögel fahren immer Bahn. Gerade auf dem Weg zur Arbeit, wo man sowieso immer die selben Leute sieht und deren Eigenheiten genauestens unter die Lupe nehmen kann. Ein schier endloser Trip. Naja, wahrscheinlich finden die mich nicht weniger skurril.

 

Was mache ich eigentlich hier?

Everybody wants to be an astronaut
And take the long tall trail into the stars
Everybody wants to show a brother what they got
Everybody wants to be an astronaut

Royal Republic – Everybody Wants To Be An Astronaut

Die späte Erkenntnis nach dem ersten Blick in den Posteingang: Hätte ich doch bloß etwas gescheites gelernt. Astronaut. Cowgirl. Verrückter Professor. Hauptsache irgendetwas ohne Kunden.

 

Der Lichtblick

The waiting seems eternity
The day will dawn of sanity
Is this a kind of magic?
It’s a kind of magic

Queen – A Kind Of Magic

Hat da etwa gerade etwas geklappt? Kam da wirklich ein Lob? Dann ist jetzt der richtige Moment, um eine Runde um die Schreibtischinsel zu tanzen, die Kaffeetasse durch die Luft zu wirbeln und sich selbst zu feiern. Ällabätsch, ich bin klug und ihr seid’s nicht.

 

Zu früh gefreut

Do you remember
when you were young and you wanted to set the world* on fire?

*this place
Against Me! – I Was A Teenage Anarchist

Wie uns die Emma kürzlich lehrte, werden Amokläufe fast ausschließlich von Männern begangen. Ich kann persönlich nicht bestätigen, dass Frauen seltener den Drang verspüren, einfach einmal alles anzuzünden. Denn aktuell hilft mir nur die gelegentliche Lektüre eines Dilbert-Comics , damit ich mir überhaupt noch irgendwie einreden kann, dass das alles so vollkommen normal ist.

 

Gute Nacht

Must it take a life for hateful eyes
To glisten once again
‚Cause we find ourselves in the same old mess
Singin‘ drunken lullabies

Flogging Molly – Drunken Lullabies

Wer sich regelmäßig abends mit den Worten „Wie immer.“ verabreden kann, der kann auch von „the same old mess“ sprechen. Könnte schlimmer sein.

Once more, with feeling.

Kennt ihr diesen Moment, wenn man unterwegs ist,

total gestresst,

mit leerem Kopf,

noch nicht richtig wach,

dabei auf gut Glück irgendwelche Musik einschaltet und dann fischt der Player aus hunderten Song genau diesen einen heraus, der perfekt in den Augenblick passt? Ein vergessener Track, der vielleicht dennoch schon seit Tagen heimlich im Kopf herumgeisterte. Weil er einfach alles zusammenfasst, was einen gerade beschäftigt. Der einen scheinbar grundlos lächeln lässt, einem die Tränen in die Augen treibt, bei dem man fast stehen bleiben möchte und durch den man alles um sich herum von einer Sekunde auf die andere komplett ausblendet. Manchmal sogar Bäume und Laternen.

Well swing a little more…

Aus. Schluss. Vorbei. Das war es, mein erstes Serengeti Festival. Und ganz bestimmt war ich dort nicht zum letzten Mal. Schlimm genug, dass ich damit so lange gewartet habe. Denn Festivals sind toll und vor allem: Ich musste dafür nicht mal im Zelt schlafen. Yey! Denn hätte irgendeine höhere Macht gewollt, dass ich in einem Zelt übernachte, wäre ich Indianer geworden.

DSC_0349Zugegeben: Das Line-Up hätte besser sein können, gerade am frühen Nachmittag fehlte irgendwie irgendwas mit Schwung. Eine ordentliche Ska-Kapelle, die gemacht hätte, dass ich keine Minute länger freiwillig auf dem guten Senner Sandboden liegen geblieben wäre. Nichts gegen unsere Frühstücksgewohnheiten, aber so ein kleiner musikalischer Muntermacher wäre schon fein gewesen.

Aber genug gemotzt, denn in Wirklichkeit war es ziemlich gut und unfassbar lustig. Und da wir den Regen direkt nach Bielefeld geschickt haben, kamen wir auch recht glimpflich dabei weg. Natürlich nur dann, wenn man nicht gerade in einer Regenjacke mit unverschweißten Nähten rumlief, aber wer macht sowas schon… Egal, hauptsache das Bier verwässerte nicht allzu sehr.

Aber so ein Festival ist ja mehr als Spaß und Bier. Musikalisch hat der Freitag ganz schön einen vorgelegt. Bei Flogging Molly in der zweiten Reihe zu stehen war schon so richtig geil. Auch wenn ich da mit blauen Flecken und Muskelkater vom Abfangen der Pit-Ausläufer wieder raus bin bleibt mein Fazit: Meine Fresse, was macht der alte Mann für eine fantastische Show! Das war ganz bestimmt nicht mein letztes Flogging-Molly-Konzert.

[Dafür aber direkt im Anschluss unter Garantie mein letztes Konzert vom Kasperle, denn für arrogantes Getue und komisches Rumgehopse steige ich hier in Bielefeld einfach nachts am Jahnplatz aus und lasse mich dort anpöbeln.]

DSC_000031Samstag war ich da schon etwas skeptischer, da standen NOFX ganz oben auf der To-View-Liste. Und das eigentlich auch mehr als Pflichtprogramm, denn ich finde die auf Platte irgendwie recht unspektakulär. Aber live sind die echt witzig und machen ordentlich Stimmung. Macht zwei Volltreffer an einem Tag, kurz vorher waren nämlich noch die mir bis dato unbekannten Black Lips dran und haben mit sehr viel Freude bereitet.

Mein Sonntagshighlight wird hier sicherlich wieder die ganze Kritiker auf den Plan rufen, aber ICH stand vorne drin und hatte eine Stunde lang ganz großen Spaß: Papa Roach. Es war sogar noch viel besser, als damals im X in Herford. Punkt.

One Down, Five to Go.

Die Erkenntnisse des gestrigen Abends: Terry Jones sieht mit Kopftuch und Kittelschürze mittlerweile ganz genauso aus wie meine Oma. Und wenn ich einmal groß bin, werde ich Peniskanonenauslöserin. Aber nun mal schön der Reihe nach.

Es ist Sonntagabend, kurz nach 20 Uhr, und schon jetzt habe ich alle Hoffnung aufgegeben „I like Chinese…“ jemals wieder aus dem Kopf zu bekommen. Der Countdown zählt quälend langsam die Sekunden bis zum Start des allerallerletzten (wer’s glaubt…) Auftritts von Monty Python herunter. Ich sitze nervös wippend im Kinosessel und habe für meinen Platz 22 Euro hingeblättert, nur um mir die Liveshow von fünf alten Männern anzusehen. Ich, die noch vor wenigen Monaten schrieb, wie wenig sie doch mit dieser britischen Blödeltruppe (und Terry Gilliam) anfangen könne. Ja, ich habe mich eines Besseren belehren lassen. Danke, dass ihr mich dazu gezwungen habt.

Ich mag nicht auf alle Sketche erzählen, alle Musicalnummer, jede klischeebeladene, blasphemische, respektlose Einzelheit. Eigentlich möchte ich gar nichts davon erzählen. Falls ihr es wirklich gewagt habt, euch das entgehen zu lassen, dann guckt die Show nächste Woche auf ARTE an oder kauft brav die DVD, Blu Ray oder ein handgeklöppeltes Daumenkino. Erwartet kein Life of Brain und keine Kokosnüsse, denn dieser Abend war knallebunt, voller Glitzer und mit Eric Idle als phänomenalen Showmaster. Es gab gute Showgirls, die weniger gut gemachten Brüste von Carol Cleveland und Michael Palin in Strapsen. Und es gab einen Cameo von Mister Stephen Hawking himself, der in seinem Rolli mal fix den selbstverliebten Brian Cox umbretterte. Die Szene brauche ich übrigens unbedingt noch als .gif in der Endlosschleife.

Vor allem aber, möchte ich irgendwann mal die Person sein, die in der ausverkauften O2 Arena – während einer Liveübertragung in aller Herren Länder – eine rosa-weiße Zuckerstangen-Peniskanone auf die Bühne schiebt, aus der Schaum und Seifenblasen spritzen.

In the beginning there was nothing, which exploded.

Das ist ein Zitat aus dem ersten Kapitel von Terry Pratchetts „Lords and Ladies“. Natürlich geht er danach wieder fließend zur Scheibenwelt über, welche bekanntlich auf dem Rücken von vier Elefanten ruht, die wiederum von der Schildkröte Great A’Tuin durch das Weltall getragen werden. Damit wären wir aber ganz weit weg von dem, über das ich eigentlich bloggen wollte. Nämlich über die Wissenschaft. Genauer gesagt über Biologie, Chemie und Physik. Und ein wenig über die Mathematik. Aber eigentlich ist Mathe das doofe Stiefkind, das nicht mit auf den Ball darf und stattdessen die Treppe schrubben muss.

In der Schule fand ich diese Fächer natürlich genauso langweilig wie jeder andere. Allerdings hatte ich den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass mir dieser mathematisch-logische Quatsch bis zum Schluss ziemlich leicht fiel. Aber nur weil man etwas ganz gut kann, muss es einem noch lange nicht Spaß machen. Wenn man zwei Monate lang Kreuztabellen mit gelben und grünen Erbsen zeichnet, um die Mendelschen Regeln zu verstehen, dann ist das langweilig. Wenn zum fünfzehnten Mal der absolute Nullpunkt abgefragt wird, dann ist das langweilig. Und die drei Jahre zwischen der siebten und zehnten Klasse ändern nichts daran, dass die Wahrscheinlichkeit für Kopf oder Zahl bei einer Münze 1/2 ist. Verblüffend.

Sicherlich hat man die Themen nicht so breitgetreten, nur um mich zu ärgern. Aber wie soll man Gefallen an etwas finden, wenn die Grundlagen so gähnend langweilig vermittelt werden?

Mittlerweile mag ich die Naturwissenschaften total gerne. Natürlich nicht in dem Sinne, dass ich zuhause sitze und die Flugbahnen von Gegenständen anhand von Masse und Geschwindigkeit ausrechne. Was ich früher sogar mal konnte. Und was hin und wieder vielleicht sogar ganz praktisch wäre, denn dann könnte ich den Boden an der richtigen Stelle schützen, BEVOR ich mal wieder Lebensmittel durch die Küche katapultiere. Nein, mehr in dem Sinne, dass mich Zusammenhänge interessieren. Weil ich wissen möchte, wieso Blätter bevorzugt grün sind. Weil ich wissen möchte, was ein Schwarzes Loch ist. Und weil ich wissen möchte, wieso gerade das Bärtierchen das abgeklärteste und tougheste Wesen auf diesem unseren Planeten ist.

Ich habe etwas für mich gefunden, das genau diese Neugierde stillt: Cosmos: A Spacetime Odyssey ist das Remake einer Wissenschaftsserie von 1980 und erklärt mir die Welt. Und außerdem das Universum. Innerhalb einer Folge werden da auch schon mal nacheinander und ohne Luft zu holen Photosynthese, Geruchsstimulation, der Aufbau von Atomen, Kernfusion, Neutrinos und der Energieerhaltungssatz abgearbeitet. Zur Auflockerung gibt es in jeder Folge noch die ein oder andere Anekdote. Beispielsweise, dass Isaac Newtons Hauptwerk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“ von der Royal Society zwar abgenickt, aber dann doch nicht selber finanziert wurde, weil die ihr Budget schon für De Historia Piscium, die Geschichte der Fische, auf den Kopf gehauen hatten. Herrlich!

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bislang erst sechs Folgen gesehen habe. Das liegt ganz einfach daran, dass ich mich dafür dann auch wirklich 45 Minuten lang am Stück konzentrieren muss. Ich will mir schließlich weder irgendwelches Wissen, noch irgendeinen Fun Fact entgehen lassen. Wer weiß, auf welcher Party man das nicht doch noch mal gebrauchen kann.

Durch die Nacht mit Bela B.

5. Mai 2014, kurz vor 21 Uhr, die Verfasserin dieses Blogeintrags steht vor der Bühne und hibbelt. Gleich soll er auf die Bühne kommen, der Humanboss, der Pornoboy, der Graf. Na gut, ein „Boy“ ist Bela B mit 51 wirklich nicht mehr, aber nach 34 Bühnenjahren hat man doch irgendwie Narrenfreiheit. Mittlerweile vergisst er seine Texte zwar eher wegen des Alters und nicht mehr wegen Alkohol und anderen Substanzen, aber irgendwie ist er immer noch punk. Bewusst als Adjektiv benutzt. Denn anders als Campino hat er sich nicht auf der Schiene des Altpunks festgefahren. Die Soloprojekte sind noch weniger Punk Rock als die letzten drei Ärzte-Alben und beim Konzert wird auch deutlich, wieso das so sein muss.

Es war mein drittes Solokonzert des Herrn B, dreimal Ringlokschuppen, dreimal vorne links in der zweiten Reihe. Die ersten beiden Auftritte und Alben waren die eines Showmasters im silbernen Pailettenanzug. Am Montag betrat allerdings ein deutscher Johnny Cash die Bühne. Im Westerhemd mit Tolle und Akustikgitarre. Aber das aktuelle Album „Bye“ und die neue Begleitband Smokestack Lightnin‘ hatten diese Entwicklung doch schon sehr deutlich gespoilert. Die waren übrigens auch gleichzeitig die Vorband, what a crazy random happenstance. Den Frontmann am Kontrabass fand ich aber 2009 schon ziemlich cool. Damals, als Smokestack Lightnin‘ noch vor Bela B y Los Helmstedt spielten. Und die neue Frontfrau, Miss Peta Devlin, passte auch wunderbar in diese ganze Country-Geschichte mit hinein. Manch einer wird sie als Teil von Oma Hans kennen und irgendwie sagt das auch schon alles.

Das Konzert selbst war wieder einmal toll. Aber eben ganz anders, als irgendein vorheriges Solokonzert von ihm oder geschweige denn ein Auftritt von den Ärzte. Mehr so schubbidu und schwing den Po. Was mich beim Album noch gestört hat, gefiel mir live echt gut. Genauso wie die Country-Twist-Version von „Manchmal haben Frauen“. Wenn der alte Mann mit dem Tamburin über die Bühne swooft, dann macht das einfach gute Laune.

Mehr von den alten Songs wäre schon nett gewesen. Mehr schnelle Nummern, bei denen jeder hätte mitsingen können. Das hätte der Stimmung gut getan. Wobei ich selbst von mir positiv überrascht worden bin und alle neuen Lieder von Anfang bis Ende auswendig konnte. Und das obwohl ich das Album nach der Veröffentlichung letzten Monat echt stiefmütterlich behandelt habe. Aber vielleicht bin ich nach 16 Jahren einfach so drin, dass ich die Reime im Zweifelsfall auch selber schreiben könnte. Vielleicht nicht alle, denn manche Strophen hätten auch dem merkwürdigen Verstand des Farin U. entsprungen sein können.

Der kleine Streichholzmann war von dem Zündholzmädchen sofort fasziniert
So war er schon in ihrem Bann, bevor er wusste, was ihm da passiert
Er hat in ihr auch gleich die Liebe seines Lebens erkannt
Da fing sie an zu glühen und sie sind aneinander verbrannt

Kleiner Streichholzmann
Was tust du dir an?
Wenn die Glut erlischt
Bleibt am Ende nischt

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Projekt: Watchlist.

Wahrscheinlich ist es selten dämlich von mir, das gerade jetzt anzugehen, wo das Wetter doch bitte besser werden soll,  aber irgendeine Ausrede würde ich wohl immer finden. Vielleicht ist es aber auch ziemlich clever, weil jetzt langsam das Serien-Sommerloch beginnt. Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, endlich einmal mit System einige cineastische Bildungslücken zu schließen. Ja, die habe ich und das aus fast jedem Jahrzehnt und Genre. Schon vor gut drei Jahren habe ich dafür mal so richtig einen auf den Deckel gekriegt, weil ich unter anderem „No Country for Old Men“ und „Memento“ noch nicht kannte. Welch Fauxpas! Welch Frevel! Und das als Studentin der Medienwissenschaften. Damals habe ich unter Anleitung schon einmal so eine Watchlist angelegt, total professionell mit dem Windows Texteditor. Leider habe ich dieses Meisterstück mittlerweile irgendwo auf dem Laptop verklüngelt. Tja, dumm gelaufen.

Screenshot_2014-04-28-10-31-47Ab jetzt wird aber alles anders. Ich ackere aktuell die IMDb-App durch und markiere fleißig Dinge. Wahrscheinlich wird das so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass ich gar nicht mehr zum Filmegucken komme. Aber der Wille ist da.

Diese Liste wird nun stetig wachsen. Durch das was ich selber finde, aber vor allem auch durch Filmtitel, die ich irgendwo aufschnappe. Das hat in den letzten Monaten eigentlich schon ganz gut geklappt, auch ganz ohne App. Filme wie „North by Northwest“, „The Princess Bride“ oder ganz frisch „Mystery Science Theater 3000: The Movie“ haben mich gar wunderbar unterhalten. Und das obwohl ich die Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters auf Koffein habe und bei anderen Filmen auch schon mal alle zwanzig Minuten zurückspulen darf, weil ich die komplette letzte Szene nicht mitbekommen habe.

Ach ja, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin beileibe kein Film-Noob. Bei allen Produktionen ab 1999/2000 fühle ich mich voll im Bilde. „Back to the Future I-III“ oder auch „Blues Brothers“ kann ich praktisch mitsprechen. Aber ich bin halt noch nicht sooo lange in einem Alter, wo man von sich aus auch mal einen Film raussucht, der nicht erst vor einigen Tagen im Kino angelaufen ist. Da denkt man sich nun doch eher selten „Ei der daus, jetzt ein Film mit Gary Cooper, das wär’s!“. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Meine Eltern haben mich mit Edgar Wallace und Margaret Rutherford als Miss Marple großwerden lassen und diese Sachen liebe ich heute immer noch.

Lovehatetragedy.

Wie argumentiert man richtig, was man an einer Band eigentlich gut findet? „Sie gefällt mir halt“ wird nicht wirklich als Begründung akzeptiert. Bei den Ärzten fand ich früher™ die Texte immer so lustig. Heute „weilwegenisso“. Die Frage, was ich denn so für Musik höre, finde ich auch total gruselig. Entweder ist man mit dem Gegenüber schnell auf einer Wellenlänge oder man sucht so lange nach einer Mainstreamcombo, bis das Kennichnicht… kennichnicht… kennichnicht… endlich aufhört. Wobei das nicht ganz so schlimm ist wie „Aha. [Pause] Geschmäcke sind halt verschieden. [Theatralischer Schluck Bier] Hmmhmmm.“.

Manchmal komme ich mir auch vor wie in so einer Selbsthilfegruppe. „Hallo, mein Name ist Anna. Ich habe früher Nu Metal gehört und bin seit acht Jahren trocken.“ – „Hallo Anna.“ Dabei fand ich das damals gar nicht peinlich, sondern eigentlich ziemlich toll. Meine CD-Sammlung von damals bestand eben aus Linkin Park, Drowning Pool, Limp Bizkit und Papa Roach. Die von den Menschen um mich herum aber auch. Und ich war eher vorneweg und nicht nur schnöder Mitläufer. Natürlich hatte ich auch The Offspring, NOFX und bunt gemischten deutschen Punkrock im Regal, aber das war mehr so für mich. Der Rest war, zumindest bei uns, durch den ganzen Freundeskreis hindurch kompatibel. Und ich fand’s tatsächlich gut.

Nun sind Papa Roach dieses Jahr also auf dem Serengeti Festival mit dabei. Mich freut’s. Natürlich ist das schon etwas länger nicht mehr meine Musikrichtung. Aber damals halt schon und da hängen echt viele richtig gute Erinnerungen dran. Papa Roach habe ich am 6.6.2005 sogar einmal live im X in Herford gesehen. Ach, Coby Dick, der olle Selbstdarsteller. Das Konzert war vielleicht nicht gerade der beste Gig meines Lebens, aber bei mir ist der immer noch total präsent im Kopf. Vielleicht auch weil ich da damals zu zweit mit einem vor ewigen Zeiten sehr guten Kumpel hin bin. Mit dem ich mich aber in den 1 1/2 Jahren davor in einer Tour gezofft hatte. Das volle Programm mit „du kannst gerne kommen, aber XY ist auch eingeladen“. Wir sind da trotzdem zusammen hin und danach ging’s mit uns wieder. Und das weiß ich heute noch.

Deshalb gönnt mir meinen (manchmal) etwas skurrilen Musikgeschmack und meine Vorfreude. Es findet sich sicherlich mindestens eine weitere Band, zu der man gemeinsam den Laden auseinandernehmen kann.