Was nichts kostet, ist auch nichts.

Der Mensch ist von Natur aus skeptisch, wenn er etwas ohne Gegenleistung bekommt „Wie bitte? Ich kriege etwas geschenkt? Die Sache MUSS einen Haken haben. Ist es kaputt? Illegal? Schließe ich damit ein Abo ab oder kaufe eine Waschmaschine? DA STIMMT DOCH WAS NICHT!“

Anders ist es, wenn kreative Berufe im Spiel sind. Erste Entwürfe zu erstellen ist schließlich keine Arbeit. Ein Grundkonzept? Das schreibt man doch mal eben unter der Dusche zusammen. Wer sich weigert, an einem unbezahlten Pitch teilzunehmen oder zumindest eine kostenlose Arbeitsprobe abzuliefern, hält sich wohl für etwas besseres. Aber geht mal in drei Schneidereien, lasst jeweils eine Hose umnähen und bezahlt am Ende nur den Besten. Oder den Günstigsten. Die Entscheidung liegt schließlich bei euch. Aber genau das wird niemand machen. Oder erklärt eurem Apotheker mal, dass ihr das Medikament erst dann bezahlt, wenn der Schnupfen wirklich weg ist. Meiner würde sicherlich seinen Terrier auf mich hetzen.

Außer natürlich, man ist auf der Suche nach einer neuen Web-/Kreativ-/Werbeagentur. Natürlich muss man vorher austesten, ob man mit seinen Vorstellungen ungefähr auf einem Nenner ist. Aber auch das sollte im Budget mit einkalkuliert sein. Leider haben das meine Vorgesetzten bisher nie so gesehen und auch mein neuer Arbeitgeber ist Fan von Plattformen wie 99designs und DesignCrowd, wo Grafiker online darum buhlen, wer das beste Design zum günstigsten Preis abliefern darf. An dieser Stelle haben Handwerker MyHammer damals einen Vogel gezeigt, kreative Köpfe spielen jedoch seltsamerweise mit.

Bielefeld scheint dafür ein sehr guter Nährboden zu sein. Da pitcht ein Verein für „Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter“ unbezahlt Agenturen für ein neues Corporate Design. Weil Geld nicht alles ist. Schon klar. Universität und FH haben es da einfacher, denn die können einfach auf das freiwillige Engagement ihrer Studierenden vertrauen. Es macht sich später ja auch mal gut im Portfolio und so eine tolle Referenz ist auf lange Sicht eh wichtiger als eine gescheite Bezahlung. Werdet ihr schon noch merken.

Wie ich gerade jetzt darauf komme? Mir wurde dieses kleine, feine Filmchen in meine Facebook-Timeline gepostet. Es passt wunderbar zu einem der besten Dialoge auf Clients from Hell. The Client: “You’re a freelancer!” – “And…” – “Well, you work for free! If you were supposed to be paid, you’d be called a paidlancer or something!”

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Flieht, ihr Narren.

Bielefeld entwickelt sich zu einer Medienstadt. Mit Uni und FH Bielefeld, der FH des Mittelstands und der Hochschule OWL nur drei Käffer weiter sollte es hier eigentlich reichlich Nachwuchskräfte für eine Marketingstelle geben. Dennoch sind Abteilungsleitung und Personalbetreuung seit zwei Monaten vergeblich auf der Suche und haben zuletzt drei Absagen in Reihe kassiert. Allesamt akzeptable Kandidaten, aber kein besonderes Highlight. Durchschnitt für eine durchnittliche Firma. Aber wieso will es einfach nicht klappen?

Vielleicht liegt es daran, dass die Verbreitung der Stellenausschreibung von zwei Personen koordiniert sind, die zuletzt im vergangenen Jahrtausend auf Jobsuche waren. Zur Verdeutlichung: Das war vor 9/11, vor der Euroeinführung und bevor Scary Movie 1 in den Kinos anlief. Damals gab es halt nicht so viel Internet. Deshalb werden hier noch immer sämtliche Ausschreibungen ausschließlich über das Arbeitsa… Entschuldigung… über die Agentur für Arbeit online gestellt. Bekanntlich nicht die erste Anlaufstelle für junge, webaffine, kreative Arbeitskräfte mit einem Intellekt über dem des gemeinen Pegida-Anhängers.

28167-fly-you-foolsBöse Zungen behaupteten schon, dass ich dahinter stecke. Zugegeben, ich habe das ein oder andere Mal gescherzt, ich würde potentielle Bewerber heimlich warnen. Ihnen Zettelchen mit Warnhinweisen zustecken, SOS mit der Taschenlampe durch die Glasscheibe funken oder nachts einen Pferdekopf ins Bett legen.

Aber das wäre ja völliger Blödsinn, soll doch jeder für sich selbst herausfinden, wie gut er in diesen Laden passt. Schließlich halten es zahlreiche Kollegen schon seit Jahrzehnten hier aus. Ja, ich bin auch immer wieder aufs Neue darüber entsetzt. Man verdient mehr als in den meisten Agenturen in der Gegend, hat halbwegs geregelte Arbeitszeiten und Weihnachtsgeld gibts auch noch, wenn man artig war.

Aber irgendwas scheint die Bewerber dennoch abzuschrecken, selbst wenn sie zufällig über die Stellenanzeige gestolpfert sind und den Weg ins Bielefelder Outback gefunden haben. Ob es an den leeren, hoffnungslosen Augen liegt, die jeden Neuankömmling ängstlich mustern? Das würde zumindest erklären, weshalb ich demnächst nicht mehr am Eingang sitzen darf, sondern einen Platz hinter zwei Regalreihen bekomme.

Coverriculum Vitae.

Eure gute Cover ist kein Bewerbungsguru. Nee nee. Neeeee. Gott bewahre. Aber wenn ich mir mal überlege, wie oft ich in den letzte neun Jahren (Abi 2006 – 13 Jahre Warten auf Freitag) meine Bewerbungsunterlagen aktualisiert habe, dann wird mir schon ein bisschen schwindelig. Und es ist vollkommen egal, ob man sich zuletzt vor zwei Minuten, zwei Monaten oder vor zwanzig Jahren irgendwo beworben hat: Das Zeug muss immer noch einmal komplett auseinander genommen werden.

Jedes. Verdammte. Mal.

Schritt 1: Wo war denn nur der Lebenslauf?

Am einfachsten wäre es ja, wenn man seinen alten Lebenslauf einfach nur noch mal fix aufpolieren müsste. Aber der ist unter Garantie nicht auffindbar. Verschickt, abgespeichert, schnell ’ne Tasse Kaffee geholt und weg ist das Ding. Pfutschikato. Läuft wahrscheinlich mit der verschollen geglaubten zweiten Socke händchenhaltend in den Sonnenuntergang.

Schritt 2: Finde heraus, als was du gerade arbeitest

Man verbringt so um die 225 Tage im Jahr auf der Arbeit, acht Stunden am Tag und das in meinem Fall seit drei Jahren. Und nun soll die Quintessenz dieser Rolle als AvD in drei bis fünf Zeilen passen. Manchmal wäre ich in solchen Momenten gerne auf dem Bau beschäftigt: Hallo, ich bin Baggerfahrer und kann Bagger fahren und ganz, ganz tiefe Löcher baggern.

Schritt 3: Formatiere dich um den Verstand

Egal was du tust, der Lebenslauf wird immer zwei Zeilen zu lang sein, um auf eine Seite zu passen. Während man im Studium immer schön die Ränder und Zeilenabstände so eingestellt hat, dass aus sieben Seiten Text die geforderten fünfzehn wurden, muss man dieses wertvolle Können nun andersherum unter Beweis stellen. Achtung: Dies rechtfertigt dann auch ein „fortgeschritten“ hinter der Frage nach den Office-Kenntnissen.

Schritt 4: Einmal recht freundlich

Natürlich darf ein Bewerbungsfoto bei der ganzen Sachen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Niemals. Das wäre ja vollkommen ungerecht und ganz und gar oberflächlich. Pfui. Aufschrei. Aber irgendwie kann man es den Personalern auch nicht verübeln, wenn die zumindest einen ersten Eindruck haben möchten. Da ist es übrigens unfassbar hilfreich, wenn man mal fix die Mutter aus der besten Aufnahme des Familienshootings herausretuschieren kann. Denn wie wusste die schon stets besser zu wissen: Das Leben ist für die beschissen, die sich nicht zu helfen wissen.

Schritt 5: Wer bin ich – und wenn ja wie viele?

Was zur Hölle zeichnet mich eigentlich aus? Teamgeist? Schnelle Auffassungsgabe? Ehrgeiz? Alles Floskeln. Es wird niemand in seine Bewerbung schreiben, dass er Menschen total kacke findet und seine Arbeitszeit auf Twitter verbringt. Also wenn ich’s mir recht überlege… beim Kinderturnen würde ich durchaus durch eine ganz passable Rolle vorwärts positiv hervorstechen. Und ich kann die Zunge rollen. Naja, zur Hälfte. Ich kann außerdem recht gut backen. Das könnte beim potentiellen neuen Chef schon eher ziehen. Der Rest wird halt aus der Annonce abgeschrieben, die müssen schließlich wissen, wie ich sein soll.

Schritt 6: Kill your darlings

Interessiert die das alles jetzt wirklich? Beim letzten Mal war doch noch das superduperdolle Masterstudium das Argument für alles und nun hat sich das ganz hinten auf den Lebenslauf verkrümelt. Ich soll mit meinen 28 Lenzen ja sowieso bereits 29 Jahre Praxiserfahrung verweisen können und dann darf das Anschreiben auch so aussehen. Das teure Studium verkriecht sich zur Grundschule auf die Reservebank und Hobbys hat man ja eh schon seit Jahren keine mehr.

Schritt 7: Äh, wohin eigentlich?

Also idealerweise kommt Schritt 7 natürlich ganz am Anfang, aber das hätte den Spannungsbogen zerstört. Aber es ist auch ein ganz wichtiger Gedanke für die Individualisierung des Anschreibens, denn jede Firma möchte ganz gerne glauben, dass man sich nur bei ihnen beworben hat. Weil sie so unfassbar toll sind und so sympathisch rüberkommen und die Produkte einfach weltklasse sind und man von der nächsten Klippe springen wird, wenn sie einen nicht nehmen. Zum Glück sind Klippen in Bielefeld eher Mangelware.

Schritt 8: Wer hat denn den Kappes verzapft?!

Korrekturlesen. Ganz, ganz, ganz wichtig. Am besten lässt man wirklich noch mal jemanden draufgucken. Denn spätestens nach dem dritten Satz wird einem schlagartig bewusst, dass man sämtliche Grammatikkenntnisse gleich zu Beginn verloren hat. Zusammen mit der aktuellsten Version vom Lebenslauf.

Schritt 9: Abschicken \o/

Es ist vollbracht! Leicht geflickt, ein bisschen angsteinflößend und mit wenig Hirn, aber Frankensteins Monster hat es ja auch irgendwie durch den ersten Testlauf geschafft. Nun muss man es nur noch hinbekommen, die ganzen Unterlagen auch dem richtigen Empfänger zuzuordnen, damit man  am Ende nicht doch noch mit Mistgabeln und Fackeln durchs Dorf getrieben wird. Bei Bewerbungen in ostwestfälischen Randgebieten (Dornberg, Verl, Borgholzhausen) nicht ganz unwahrscheinlich.

Schritt 10: Das Land verlassen /o\

Es ist ganz egal, wie gründlich man war. Egal wie oft man noch einmal drübergelesen hat, wie oft man jede Zahl kontrolliert hat: Irgendeinen saublöden Fehler übersieht man immer. Jedes. Verdammte. Mal. Neulich hatte ich sogar mal einen Zahlendreher in der Handynummer, zum Glück nur auf einer Seite. Aber scheiß der Hund drauf: Den anderen Bewerbern ergeht es doch auch nicht anders.

Klingelingeling! Klingelingeling! Hier ist die Telekom.

Unser Büro befindet sich in einem Gewerbekomplex am Rande der Innenstadt. Es ist nicht sonderlich schön hier, aber die Firma wollte vor drei Jahren für kleines Geld mehr Platz für mehr Mitarbeiter haben. Geschätzte 60% der Büroeinheiten standen bis Ende letzten Jahres leer. Wenn die FH Ferien hatte, sah man gelegentlich sogar einen Steppenläufer am Fenster vorbeirollen. Damals, als noch große Aufregung herrschte, wenn der Bastelbunker gegenüber mal wieder zum Tag der offenen Tür mit Fabrikverkauf einlud und Hausmütterchen mitsamt ihrer Muttersöhnchen in Scharen aus dem umliegenden Dörfern herbeiströmten.

Doch seit gut drei Monaten ist nichts mehr, wie es einmal war. Wir haben jetzt die Telekom im Haus. Nein, nicht etwas die lustigen Techniker in Latzhose, die bei Terminen ähnlich zuverlässig auftauchen, wie Schrödinger Katze kurz vor Schluss wieder aus ihrem Karton hüpft. Von hier aus werden nun im großen Umfang Leute belästigt. Ich meine angerufen. Also man unterbreitet von diesem Standort aus zahlreichen zufriedenen Kunden in der ganzen Region unschlagbare Angebote für ihre Vertragsverlängerung. So, jetzt hab ich’s.

Per se habe ich nichts gegen Menschen, die in einem Call Center arbeiten. Irgendwer muss es machen. Ich saß schließlich selber auch schon an dem Ende der Strippe, an dem das Headset wie ein mieses Klischee vor sich hin baumelt. Gerade als Nebenverdienst ist das eine ganz feine Sache, auch wenn man natürlich mehrmals täglich angemotzt und beleidigt wird. Kleiner Tipp am Rande: Leute, seid nett zu den Anrufern. Man kann es auch freundlich formulieren, wenn man keinen Bock darauf hat, zu total bescheuerten Uhrzeiten stundenlang völlig idiotische Fragen zu beantworten.

Bis Ende letzten Jahres habe ich geglaubt, bei Vertragsfragen säße da ein relativ cleveres, junges Bürschchen am Apparat. So einer, der eigentlich Physik an der Ruhr-Uni Bochum studiert und dir locker irgendwelche Integrale und Matrizen ausrechnen könnte, um damit den idealen Tarif rauszusuchen. Ällabätsch. Falsch gedacht.

Habt ihr euch nicht auch schon immer mal gefragt, was aus den ganzen Leuten wird, die mal bei „Mitten im Leben“, „Frauentausch“ oder „Extrem schwer“ mitgemacht haben? Kann ich euch sagen: Die landen bei der Telekom im Call Center. Die Einstellungskriterien sind klar: Ein BMI größer 35, Kettenraucher, schlechte Zähne, unverschämtes Auftreten. Alternativ geht auch folgende Kategorie des Schulabbrecher: „Ey, jo, Bro ey, werf misch ma Cola.“ Originalzitat. Isch schwöar.

Von diesem Schlag Mensch laufen hier aktuell bereits um die vierzig Leute pro Schicht durchs Gebäude. Wobei… nein, das ist gelogen. Wer nicht im Erdgeschoss arbeitet, der fährt generell mit dem Fahrstuhl aus dem ersten Stock runter zur Raucherecke. Laufen ist auch Quatsch.

Wo war ich? Ach ja, vierzig Leute in drei Schichten. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Bis zum Sommer sollen hier 340 Mitarbeiter beschäftigt sein. Die Parkplätze sind bereits jetzt überfüllt und der Bäcker hat auch schon mal sicherheitshalber die Preise angezogen. Und hier laufen die ersten Wetten, wann das erste Graffiti im Treppenhaus auftaucht und der erste Dealer morgens an der Ecke wartet.

Wenn ich einmal groß bin, werde ich…

Tja. Das wollte schon vor 20 Jahren jedes Schulfreundealbum von mir wissen. Mit acht Jahren schrieb ich meistens Tierärtzin da hinein. Mit TeeZet. Dann wollte ich ganz kurzzeitig Polizistin werden. Aber wenn man sich auf dem Dorf mal so umschaut, bekommt man schnell den Eindruck, dass man da eigentlich nur Schützenfestumzüge absperrt und nachts Autos anhält. Was vermutlich auch stimmt. Also doch Architektin. Häuser zu entwerfen klang total cool. Bis mein Vater mir erklärte, wie das in der Branche so abläuft. Gerade als weibliche Architektin auf dem Bau. Und Innenarchitektin kam nie in Frage, ich hab’s generell nicht so mit Killefit und kunstvollem Dahindrapieren.

Groß bin ich nun schon eine Weile und zwei Studiengänge später mache ich irgendwas mit Medien. Irgendwas trifft es gerade ganz gut, denn obwohl ich offiziell nur die Stelle eines „Online Media Manager“ bekleide, mache ich alles querbeet. Das hat den Vorteil, dass man hinter zumindest weiß, was man im nächsten Job nicht mehr machen will. Anzeigenplanung zum Beispiel. Anzeigenverkäufer, also die am anderen Ende der Leitung, sind nämlich gemeinhin ziemlich penetrante Zeitgenossen, die außerdem auch noch äußerst schnippisch reagieren, wenn man ihnen sein Budget nicht in den Rachen werfen möchte. Dann wird aus dem Telefonschmuser schon mal der Telefonsatan höchstpersönlich, in dessen Gegenwart sich Teenagertöchter in der Pubertät beschämt die Ohren zuhalten würden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ob ich nun will oder nicht, wird sich meine Position in den nächsten Wochen und Monaten verändern. Die Frage ist nur, ob ich da mitmachen möchte. Aus der Rolle des AvD käme ich dann in die des großen Delegators. Aber habe ich da wirklich Bock drauf? Ich hasse es stundenlang rumzudiskutieren, ob man einen Button nun Maigrün oder Grasgrün macht. Da bin ich mehr der Macher. Ausprobieren, Entwurf vorbereiten und im Zweifelsfall behaupten, dass der Rest irgendwie kacke aussah. Fertig.

Ich bewundere Leute, die sich auf einem ganz bestimmten Feld total gut ausgekennen, darüber bloggen oder Vorträge halten. Dieses eine Feld suche ich noch für mich. SEO/SEM lägen im Online Marketing natürlich nahe, aber das ist mir persönlich viel zu dröge. Zum Programmieren bin ich zu blöde. Für Social Media Marketing ist mein Drang zur übertriebenen Selbstverherrlichung zu klein. Und E-Mail Marketing ist das drunk texting der Kommunikationsbranche.

Also lasse ich mich mal überraschen, was die kommenden Monate so bringen. Vielleicht stolpere ich ja ganz aus Versehen in den Beruf, der mir das Nörgeln abgewöhnt? Auf dem Aktion-Mensch-Los in meiner Schreibtischschublade sollte meine Zukunftsplanung jedenfalls nicht unbedingt aufbauen. Wie sehr freue ich mich doch auf meine Karriere als Fensterrentner… aber bis dahin dauert es wohl noch gut 40 Jahre.

 

Nachtrag: Ich habe meine Berufung gefunden.

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Advent, Advent, die Anna brennt.

Der größte Hohn
an der Religion?

Die kalendarische Lage
der Brückentage.

Hätte Jesus da nicht ein bisschen mehr zwischen den einzelnen Stationen trödeln können? Im Frühjahr wird innerhalb von zwei Monaten ratzfatz alles abgefeiert, was die Kirche an Ausreden für exzessives Glockengeläut zu bieten hat:

Karfreitag: Always look on the bright side of life.
Ostermontag: All hail to the Karnickel.
Tag der Arbeit: Alles außer arbeiten.
Christi Himmelfahrt: Vatertag für Besserwisser.
Pfingstmontag: Hauptsache ein Montag weniger.
Fronleichnam: Weiß man nicht.

Ich bin stark für die Einführung von 2-3 weiteren Feiertagen inklusive Brückentagen im September und Oktober. Möglichst flexibel, damit man die je nach Wetterlage nehmen kann. Dabei wäre mir auch vollkommen latte, was wir zu feiern gedeken. Den Tag des Mähdreschers vielleicht, um den Beginn der Heuernte einzuläuten. Oder Zugvogeldonnerstag. Das Fest des heiligen Kastanienmännchens. Bei Allerheiligen hat die Willkür ja auch einen ganz guten Job gemacht.

Der frühe Vogel ist ein aufgescheuchtes Huhn.

In drei Wochen ist Messe. Für mich bedeutet das, dass ich gerade einen Berg Großprojekte auf dem Schreibtisch habe. Messezeitung, Ausstellerkatalog, Pressemeldung- und gespräch, Besuchereinladungen, Newsletter für Aussteller und Besucher, Buchungsunterlagen, Contentpflege, Orgakrams… ich zähle jetzt nicht alle 40 To-Dos auf. Ich könnte es zwischendurchl noch mal mit spontaner Zellteilung versuchen und mein zweites Ich wäre dennoch ebenfalls voll ausgelastet. Hilft ja alles nichts. Einen Schritt vor den anderen machen, eine Deadline nach der anderen abarbeiten.

Blöd wird’s dann, wenn zwei Welten aufeinander treffen. Ich bin mehr so der stete Typ. Zeig mir eine Arbeit, die schneller und dabei aber noch ordentlich erledigt wird, wenn man vorher, währenddessen und am besten auch noch hinterher völlig am Rad dreht. Unruhe kenne ich eigentlich nur, wenn der Gegenüber trödelt. Oder der Nebenmann beim Bäcker. Darüber bloggte ich ja bereits ausführlichst. Aber das ist einfach nur Ungeduld und nicht der Versuch, durch Hektik etwas schneller zu erreichen.

Im Büro werden sie hingegen gerne mal hektisch. Da wird während eines Außentermins mehrmals hinter einem hertelefoniert, weil zig Leute angerufen hätten, dass die Website kaputt wäre. Zig Leute waren an dem Tag genau 2. Und auf der „kaputten Website“ stand ganz einfach eine Adressdatei absichtlich nicht mehr zur Verfügung, weil die zwei Anrufer Anzeigenverkäufer waren und bei ihrer Adress-Ernte ausgebremst werden sollten. War aber alles ganz wichtig und eilig und die Zukunft der ganzen Firma hing von meiner Erreichbarkeit ab.

Nun sitzen wir hier, arbeiten im Akkord Großprojekte ab und warten nur darauf, dass das nächste aufgescheuchte Huhn zur Tür hereinkommt. Der letzte Aufreger war, dass wir uns noch nicht überlegt haben, wer in drei Wochen 200 Servietten vom Lager auf die Messe bringt. Aus eben diesem Lager wird ab übernächster Woche mehrmals täglich Material für über 15.000qm Ausstellungsfläche in die Hallen gekarrt. Ich bin mir wahrlich nicht hunderprozentig sicher, ob da zehn Packungen Servietten zusätzlich auf einen der LKWs passen werden. Könnte eng werden. Drückt mir die Daumen.

garfield breakdown

Neues von aufer Maloche.

Ich scheine in letzter Zeit so oft und vor allem so überzeugend über meine Arbeit zu motzen, dass sich konkrete Jobvorschläge häufen. In der letzten Woche gab’s gleich zwei, als gibt’s nun diesen Blogeintrag. Da seid ihr selber schuld, würde ich mal sagen.

Vorneweg: Ich dürfte gerade nirgendwo neu anfangen. Wenn ich mich ab kommender Woche offiziell „Online Marketing Consultant (IHK)“ schimpfen darf, beginnen damit auch zeitgleich 365 Tage vertraglicher Bindung an die Firma. Das hab ich mir selbst eingebrockt, dafür wurde mir aber auch die Weiterbildung bezahlt. Als ich den Zettel im letzten Frühsommer unterschrieb, war beruflich bei mir gerade alles top. Ein spannendes, breites Aufgabenfeld, nette Kollegen, alles toll. Danach kam einiges zusammen, was die meisten von euch aber im Detail überhaupt nichts angeht. Der kleine Rest darf mich beim Bier direkt fragen. Sagen kann ich, dass es da gerade zu viel Stress und zu viele zwischenmenschliche Spannungen gibt. Eine fiese Mischung. Zum Glück steht meine kleine Marketing-Abteilung über den Dingen. Cooler Haufen halt.

Nun kommen wir aber auch schon zur unangenehmen Wahrheit: Ich will da gar nicht weg. Denn irgendwie ist es genau das, was ich jetzt gerade machen möchte. Ich habe viel Abwechslung, für eine Berufsanfängerin viel zu sagen und ein gutes Team um mich herum. Leider mutet man genau diesem Team momentan viel zu viel zu. Und bald bin ich auch keine Junior Medientante mehr, sondern nur noch Medientante. Dann kommt die Sache mit der Verantwortung ins Spiel. Stichwort Projektleitung. Und damit meine ich nicht die Orga bei der Umsetzung der neuen Website. Nö, ich schmeiße dann bald das Marketing für unser größtes Event. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich kein Händchen für Budgetplanung hätte, aber wenn’s damit so läuft, wie mit meinem Gehalt, dann ist der Topf schon nach der ersten Jahreshälfte leer. Upps.

Aber was soll ich hier vor mich hin spekulieren und mich jetzt schon selbst verrückt machen. Es wird schon einen Grund geben, weshalb man mir das zutraut. Natürlich hab ich total Schiss vor dem Stress. Aber wenn ich das gemeistert habe, kann mich beruflich wahrscheinlich gar nichts mehr umhauen.

Suit up.

Hoodie, Jeans und Chucks. Zum Glück habe ich 95% der Zeit einen Job, in dem ich nicht sonderlich seriös rüberkommen muss. Höchstens am Telefon. Alles andere wäre auch totaler Quatsch, denn dann bräuchte ich ja zwei Kleiderschränke für diese zwei Persönlichkeiten.

Die nächste Woche gehört leider zu den restlichen 5 Prozent. Da bin ich dann die stets freundliche Dienstleisterin im Blazer. Smalltalk ist Pflicht, dumme Fragen gibt es nicht. Total mein Naturell. Menschen mit Samthandschuhen anpacken und auch das größte Arschloch ist König Kunde. Ich werde ganz ganz viel twittern müssen. Gewisse Personen dürfen sich jetzt schon freuen.

Eigentlich ist genau das auch das Problem und nicht die Kleidervorschrift. Schließlich muss ich weder Krawatte tragen, noch 10 Stunden am Stück in unbequemen Schuhen herumlaufen. Je schlunziger der Alltagslook, desto anspruchsloser ist der Chef beim Businessoutfit. Und Blazer und Blusen stehen mir gar nicht mal schlecht. Aber die Karnevalsklamotte kommt halt direkt eingebauter mit Maske für den Charakter.

Und dennoch: Diese Maskerade ist auch gleichzeitig der Endspurt nach fünf Monaten Arbeiten am eigenen Limit. It’s the Final Countdown. Dududu du duuuu. Yeah.

Ten little office pals.

Ten little office pals discussing a design;
One voted for a comic font and then there were Nine.

Nine little office pals working very late;
One forgot to tell his wife and then there were Eight.

Eight little office pals hiding their safe haven;
One told the boss about it, though, and then there were Seven.

Seven little office pals heard their music mix;
One asked for Miley’s brand new song and then there were Six.

Six little office pals sharing a hard drive;
One hit „format“ on Friday night and then there were Five.

Five little office pals had their office door;
One just never shut the thing then there were Four.

Four little office pals loving strong coffee;
One bought decaf by mistake and then there were Three.

Three little office pals talking on the loo;
One forgot to wash his hands and then there were Two.

Two little office pals sitting in the sun;
One shut the blinds to keep it out and then there was One.

One little office pal left all alone;
She went and burned the whole thing down and then there were None.