Wir spielen in einer Daily Soap.

Ich twittere täglich. Ich blogge wöchentlich. Ich chatte mein halbes Leben und dennoch frage ich mich an Tagen wie heute plötzlich: Was hat das Internet aus unserer Privatsphäre gemacht? Sind wir nun alle zu Voyeuren geworden? Unfreiwillig? Freiwillig?

Zufällig habe ich mitbekommen, dass Freunde von mir auf Facebook untereinander nicht mehr befreundet sind. Weil eine Geburtstagseinladung eintrudelte und einer von ihren unerwartet auf der Gästeliste fehlte. Und wie die Neugierde zeigte, nicht nur dort. Früher hätte man das erst auf der Feier selbst mitbekommen. Oder man wäre voll ins Fettnäpfchen gelatscht, weil man denjenigen gefragt hätte, ob er sich am Geschenk beteiligen möchte. Heute weiß irgendwie jeder ein bisschen Bescheid, doch nie etwas genaues.

Den Begriff „Freunde“ benutzt Facebook seit Beginn an inflationär. Mit dieser Aussage erfinde ich das Rad nicht neu. Ein Freund ist fast jeder, der mir mal irgendwann auf irgendeiner Party ein Kotelett an die Backe laberte. Es bedeutet, dass ich dulde, dass diese Person bei mir mitliest. Jemanden wieder zu entfreunden kann im besten Fall bedeuten, dass man gerade seine Freundesliste ausmistet. Dass man Diskobekannschaften und die Haustiere der Geschwister seiner Schulfreunde zu den Akten legt. Oder aber es ist ein ziemlich eindeutiges „Hau ab aus meinem Leben“. Denn mein Leben geht an jetzt nichts mehr an.

Aus diesem Grund finde ich auch die öffentlichen Beziehungsstatusse ganz skurril. Klar, das 79. „Freut mich für euch!“ ist eine tolle Sache, aber was ist, wenns in die Brüche geht? Möchte ich wirklich allen Freunden, Bekannten, Kotelett-an-die-Backe-Rednern und meiner Mutter(!) ganz beiläufig mitteilen, dass ich gerade vor einem Scherbenhaufen sitze? Gejammert wird doch nur über Twitter oder beim Bier, Facebook ist oberflächlicher Quatsch.

Und trotzdem kann auch ich nicht anders und muss in diesen Momenten mal eben schnell nachlesen. Nachlesen, ob es öffentlichen Streit gab. Seit wann das schon so sein könnte. Ob da noch mehr Leute drin hängen. Wir die Zuschauer einer Seifenoper wollen wir keine Folge verpassen, wollen Intrigen, Sex und Tränen live miterleben. Erving Goffman schrieb: „Wir alle spielen Theater.“ Tagein, tagaus hangeln wir uns von einer Rolle zur nächsten. Er hätte es wohl niemals für möglich gehalten, wie groß unser Publikum einmal sein wird.

Jahresendzeit-Klischee-Blogeintrag

Wer dieses ganzen Gute-Vorsätze-Quatsch nicht lesen mag, der möge nun oben auf dieses putzige, kleine [x] klicken und sich wieder seinem eigenen Leben zuwenden. Es ist ja sowieso in erster Linie ein Tritt in den eigenen Allerwertesten, an den ich sonst so schlecht drankomme.

2015 wird mein letztes komplettes Jahr als „Twen“ (junger Erwachsener zwischen 20 und 29, Anm. d. Red.) sein, da kann man ruhig noch mal durchstarten. Oder zumindest anfangs noch mal die Klappe ganz weit aufreißen.

Weniger Kilos

Das größte aller Klischees, ich muss es bedienen. Die zahlreichen Kneipenbesuche im legendären und oft besungenen Winterhalbjahr 2013/14 haben ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kam die Eröffnung des Büro-Bäckers, dessen recht schmackhafte Backerzeugnisse der kalorienarmen Ernährung nicht gerade dienlich waren.

Über die Hälfte ist schon wieder runter, mal schauen, wo es über kurz oder lang noch hingehen wird. Die größte Herausforderung dabei: Das ein oder andere Wochenendbierchen im Ernährungsplan unterbekommen. Ganz wichtig.

Mehr Konzerte

Das erste Festivalticket liegt bereits neben mir, 2-3 weitere habe ich auch schon ins Auge gefasst. Vorausgesetzt, es lässt sich dieses grässliche Zelten irgendwie umgehen. Ich mache jeden Quatsch mit, aber nach so einem Tag brauche ich einfach ein weiches Bett und eine warme, saubere Dusche.

Hinzu kommen natürlich einige Einzelacts. Von denen hier weiß ich jetzt schon, dass ich sie dieses Jahr auf jeden Fall wenigstens einmal live sehen möchte: Against Me!, Farin Urlaub Racing Team, Monsters Of Liedermaching, Lagwagon und (wenn es der Kontostand zulässt) Social Distortion.

Weniger meckern

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich will auf meine alten Tage tatsächlich versuchen, etwas entspannter zu werden (sorry, Salid). Dafür muss ich aber Dinge aus dem Weg schaffen, die mich aufregen. In erster Linie bedeutet das für mich, dass ich etwas mehr Ordnung in mein Berufsleben kriegen muss. Und genau das wird ein echtes Stück Arbeit. Ich lasse mich davon überraschen, wie der Lösungsweg hier aussehen kann.

Mehr menschliche Nähe

Also, ich habe da ja jetzt diese neue Matratze, die eingeweiht werden muss… ok, Scherz beiseite. Moment. War es ein Scherz? Da bin ich mir selber gerade nicht so sicher. Tatsache ist, dass 2014 recht ereignislos war, was die liebe Liebe anbelangt.

Bleibt die Frage, inwieweit man sich so ein Schicksalsding überhaupt zum Vorsatz machen kann. Nein, ich werde nicht mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen und mir ein Männchen erlegen. Auch wenn das ein schönes Kopfkino ist. Aber vielleicht bin ich wirklich mal ein bisschen weniger feige und ein bisschen weniger abweisend und ganz vielleicht trete ich dann damit nicht nur mir, sondern auch dem Schicksal in den Arsch.

ralph-wave-2014

Dumme Fragen.

Wie sagt man so schön: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.“ Was für ein Blödsinn. Natürlich gibt es saudämliche Fragen. „Ist Butter pflanzliches Fett?“ Klar, dafür werden Butterblumen von Hand bei Vollmond gemolken. Oder Menschen, die beim Filmgucken ständig nerven müssen: „Wer ist das? Was macht der da? Was kommt jetzt?“ Momentchen, ich les die Antworten schnell im Kaffeesatz nach.

Meine allerliebste Frage ist aber schon seit ein paar Monaten das allgegenwärtige „Warum hast du eigentlich keinen Freund?“. Interessanterweise fragen das genauso oft Männer, wie Frauen. Ist das Small Talk? Falls ja, wieso hat mir niemand Bescheid gesagt, dass man sowas heutzutage schon direkt nach den üblichen Kennenlernfloskeln fragen darf? Oder ist das verstecktes Interesse? Falls ja, wieso fragt man nicht stattdessen, wie es um ein gemeinsames Kaffeetrinken zu zweit gestellt wäre? Oder wird man jetzt schon so genau abgecheckt? Falls ja, wo bleibt denn da der Reiz des Kennenlernens, wenn man direkt Listen mit den Vor- und Nachteilen der Person zugesteckt bekommt? Und wieso fragen Frauen das auch? Aus Angst vor einer Männerdiebin? Oder sind die auf der Suche nach einer total genialen Antwort, die sie zukünftig selber benutzen können?

Sicherlich ist das irgendwie schon ein Kompliment. Aber das kann man doch auch eleganter lösen. Ich wüsste auch gar nicht, was eine gute Antwort auf diese Frage wäre. Ein simples Schulterzucken kommt komisch an. Eine zusammengestotterte Erklärung kann eigentlich nur überheblich klingen. Außer man möchte sich selbst direkt am Anfang schon bloßstellen und seine Schwächen offenbaren. Vielleicht reagiere ich demnächst auch einfach mit „Ich habe ehrlich auf die Frage geantwortet, warum ich eigentlich keinen Freund habe“.

Der olle Prinz und sein Gaul.

Seit es Burgtürme gibt, warten Frauen auf ihren Prince Charming, der auf einem weißen Ross zu ihrer Rettung herbeieilt. Im fliegenden Galopp, die Hand mit dem Schwert zum Angriff erhoben, die Schärpe verwegen im Wind wehend.

Ich habe dieses Bild gerade selbst noch benutzt. Ok, in leicht abgeänderter Form, aber die Grundidee sitzt in den Köpfen aller Mädchen irgendwie irgendwo fest. Aber wieso eigentlich? Nehmen wir nur mal Aschenputtel: Da läuft der Königssohn dem armen Mädchen an drei Abenden in Folge willenlos hinterher und am Ende braucht der Junge doch einen Schuh, um sie zwischen ihren hässlichen Stiefschwestern wiederzuerkennen? Die Märchenvorlage einer durchzechten Nacht in einem schäbigen Tanzschuppen. Jacob und Wilhelm haben da schon ein sehr merkwürdiges Menschenbild in ihrer Sammlung zusammengetragen.

Niemand kann ehrlich von sich behaupten, dass Äußerlichkeiten total egal sind. Aber auf so einen aalglatten Prince Charming warten? Ecken und Kanten sind toll, mit ihnen bleibt ein Mensch im Gedächtnis hängen. Und da drunter darf dann der Grund kommen, wieso man diesen einen Menschen genau so akzeptiert und liebt. Und mal ganz ehrlich: Wer von uns hat Platz für ein Pferd?

“Men learn to love the woman they are attracted to. Women learn to become attracted to the man they fall in love with.” ― Woody Allen

Torschlusspanik.

Nein, keine Grund zur Sorge. Nicht ich werde panisch, sondern meine Eltern. Und zwar nicht nur meine Mutter, die diese Schiene schon länger fährt. Jetzt fängt auch noch mein Vater an. Der sich niemals für so etwas interessiert hat. Juhu.

Nun muss man denen zugestehen, dass sie auch, seitdem ich aus dem Haus bin, von mir und meinem Liebesleben nichts mehr mitbekommen haben. Damit ich sowas nach Hause trage, bedarf es auch einer ordentlich Beziehung und nunja… ich hatte eben wenig bis gar nichts zu erzählen.

Als meine Eltern geheiratet haben, war meine Mutter ein Jahr älter als ich es jetzt bin und mein Vater schon 35. „Schon“ im Sinne der damaligen Standards. Im Vergleich zu den Eltern meiner Klassenkameraden waren sie damals auch wirklich irgendwie alt. Und dass jemand mit 64 langsam überlegt, wie viel er von seinen Enkelkindern noch mitbekommen wird, kann ich nachvollziehen. Aber deshalb soll ich mir Druck machen? Bislang hat sich der Hochzeits- und Kindertrend auch noch nicht übermäßig in meinem Umfeld durchgesetzt. Zum Glück.

Lebe ich halt noch ein bisschen mit Sprüchen, wie „Du sollst nicht fremden Frauen in den Kinderwagen gucken. Wann schiebst du denn selbst mal einen?“. Ja, Feingefühl haben sie. Naja, was soll ich mich mit 27 deswegen verrückt machen? Mich auf Teufel komm raus mit jemandem einlassen? Vielleicht stell ich mir mit meiner Kompromisslosigkeit an der Stelle selbst ein Bein. Und meiner Feigheit und der Schüchternheit und… nee, Quatsch, ich jammer jetzt hier nicht rum. Vielleicht in fünf bis acht Jahren oder so, aber jetzt noch nicht. Sauerländerinnen müssen nämlich zum 30. auch keine Klinken putzen. So.