Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.

Wahrscheinlich hat das Marie Antoinette niemals wirklich so gesagt, aber wen interessiert das schon im Internet. Fast 250 Jahre später hat sich dieser Spruch aber offensichtlich als das gemeinsame Motto vieler Büros manifestiert. Wie die Bienen stürzen sich Mittvierzigerinnen schon morgens um 10 auf die Schwarzwälder Kirschtorte einer Osnabrücker Konditorei, auf Bienenstich und Donauwelle. Selbst die staubtrockenen Fertigmuffins des hiesigen Backmischungsproduzenten werden in einer Geschwindigkeit verschlungen, bei der sogar ein Labrador-Beagle-Mischling kurz bewundernd innehalten würde.

„Ich mag keinen Kuchen.“ Wahrscheinlich würden die Kollegen nicht weniger entsetzt gucken, wenn ich ihnen gestanden hätte, nach Feierabend ihre Tastatur abgeleckt zu haben. Während Vegetarier im Büro mittlerweile stillschweigend geduldet werden (schließlich essen sie kommentarlos jedes süße Backwerk und selbst unter der Schnittchenplatte wird schon irgendwo ein Käsebrot vergraben sein), stehen Kuchenverächter auf einer Stufe mit Veganern. Was macht man mit denen?

Dass es für mich vielleicht vollkommen ok ist, morgens um 10 mit einer Tasse Kaffee in der Hand danebenzustehen, entzieht sich dem Vorstellungsvermögen. Ob man denn auf Diät sei? Ja, seit 15 Jahren, aber das eine hat mit dem anderen doch nichts zu tun. Darüber mache ich mir beim Kneipenbesuch schließlich auch keine Gedanken. Oder wenn ich fingerdick den Käse aufs Brot lege. Das wäre alles eine Frage der Planung. Ich mag auch hin und wieder mal 1-2 Kekse, Schokomuffins und sogar den Marmorkuchen meiner Mutter. Aber 98% dieser Backkreationen halt nicht. Wirklich nicht.

Dabei backe ich fast genauso gerne, wie ich koche. Ich finde es total entspannend und liebe es, im Vorfeld stundenlang nach dem besten Rezept zu suchen. Was mir nach Auskunft meiner Versuchsopfer wohl auch immer gelingt. Kuchen, Torten, Kekse, Studel… alles kein Hexenwerk. Wenn danach noch jemand jedes Mal meine Küche für mich kernsanieren würde, wäre es perfekt. Freiwillige bitte vor. Naja, Heidelbeerflecken an der Decke sind doch irgendwie auch ganz chic.

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I hit the sneeze button.

Mittwoch, 11. März 2015, 10.53 Uhr: Eine kleine Angestellte sitzt stumm an ihrer Schreibtischinsel. Bis auf ein gelegentliches Niesen. So ungefähr alle 12 Sekunden. Gefolgt von einem „Gesundheit!“. Auch ungefähr alle 12 Sekunden. Argh.

Halleluja, es wird Frühling! Die Sonne scheint mit Schmackes auf den Bildschirm, die Vögel zwitschern, das erste Freiluftbier schmeckte bereits ausgezeichnet. Und die Bäume geben sich alle Mühe, ihre Pollen in einem Rutsch auf die Menschheit loszulassen. Frei nach Eduard Mörike: Frühling lässt sein gelbes Band wieder flattern durch die Lüfte. Dass das in Deutschland noch nicht reguliert wurde, wundert mich.

Dabei bin ich beim Heuschnupfen-Roulette noch ganz gut dabei weggekommen: Mit der kribbelnden Nase und dem einen tränenden Auge (immer nur rechts) bekomme ich bei der Pollenolympiade nicht mal die Teilnehmerurkunde überreicht. Kein Kirschkernweitniesen für mich, kein Rätselraten „High oder Heu?“.

Doch Moment, behold! Wenn die Teilnehmer des 400-Meter-Naselaufs sich nach dem Rennen auf ihr Schälchen Obstsalat stürzen, werde ich am Holzstiel der Startfahne nuckeln. Da hat sich Mutter Natur nämlich vor 3-4 Jährchen gedacht: Wir spielen Reise nach Jerusalem mit der Ernährung des kleinen dicken Kindes. Jedes Mal, wenn es sich über etwas freut, nehmen wir ihm eine Sorte Obst weg. Im Rennen sind jetzt noch Banane und Orange. Ich bin äußerst gespannt, was wohl passiert, wenn die Musik das nächste Mal ausgeht.

Just remember: If you forget to say „Pika“ before you sneeze, you can always say „bacca“ afterwards.

Jahresendzeit-Klischee-Blogeintrag

Wer dieses ganzen Gute-Vorsätze-Quatsch nicht lesen mag, der möge nun oben auf dieses putzige, kleine [x] klicken und sich wieder seinem eigenen Leben zuwenden. Es ist ja sowieso in erster Linie ein Tritt in den eigenen Allerwertesten, an den ich sonst so schlecht drankomme.

2015 wird mein letztes komplettes Jahr als „Twen“ (junger Erwachsener zwischen 20 und 29, Anm. d. Red.) sein, da kann man ruhig noch mal durchstarten. Oder zumindest anfangs noch mal die Klappe ganz weit aufreißen.

Weniger Kilos

Das größte aller Klischees, ich muss es bedienen. Die zahlreichen Kneipenbesuche im legendären und oft besungenen Winterhalbjahr 2013/14 haben ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kam die Eröffnung des Büro-Bäckers, dessen recht schmackhafte Backerzeugnisse der kalorienarmen Ernährung nicht gerade dienlich waren.

Über die Hälfte ist schon wieder runter, mal schauen, wo es über kurz oder lang noch hingehen wird. Die größte Herausforderung dabei: Das ein oder andere Wochenendbierchen im Ernährungsplan unterbekommen. Ganz wichtig.

Mehr Konzerte

Das erste Festivalticket liegt bereits neben mir, 2-3 weitere habe ich auch schon ins Auge gefasst. Vorausgesetzt, es lässt sich dieses grässliche Zelten irgendwie umgehen. Ich mache jeden Quatsch mit, aber nach so einem Tag brauche ich einfach ein weiches Bett und eine warme, saubere Dusche.

Hinzu kommen natürlich einige Einzelacts. Von denen hier weiß ich jetzt schon, dass ich sie dieses Jahr auf jeden Fall wenigstens einmal live sehen möchte: Against Me!, Farin Urlaub Racing Team, Monsters Of Liedermaching, Lagwagon und (wenn es der Kontostand zulässt) Social Distortion.

Weniger meckern

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich will auf meine alten Tage tatsächlich versuchen, etwas entspannter zu werden (sorry, Salid). Dafür muss ich aber Dinge aus dem Weg schaffen, die mich aufregen. In erster Linie bedeutet das für mich, dass ich etwas mehr Ordnung in mein Berufsleben kriegen muss. Und genau das wird ein echtes Stück Arbeit. Ich lasse mich davon überraschen, wie der Lösungsweg hier aussehen kann.

Mehr menschliche Nähe

Also, ich habe da ja jetzt diese neue Matratze, die eingeweiht werden muss… ok, Scherz beiseite. Moment. War es ein Scherz? Da bin ich mir selber gerade nicht so sicher. Tatsache ist, dass 2014 recht ereignislos war, was die liebe Liebe anbelangt.

Bleibt die Frage, inwieweit man sich so ein Schicksalsding überhaupt zum Vorsatz machen kann. Nein, ich werde nicht mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen und mir ein Männchen erlegen. Auch wenn das ein schönes Kopfkino ist. Aber vielleicht bin ich wirklich mal ein bisschen weniger feige und ein bisschen weniger abweisend und ganz vielleicht trete ich dann damit nicht nur mir, sondern auch dem Schicksal in den Arsch.

ralph-wave-2014

Interview mit einem veganen Vampir.

Vor drei Wochen sprach mein Hausarzt in meiner Gegenwart Folgendes in sein Diktiergerät: „Ich bin relativ ratlos Komma wir machen einfach mal…“ Wenn man als Internist nicht wisse, was los ist, gäbe es halt ein großes Blutbild. Einfach mal auf gut Glück und in der Hoffnung, dabei zufällig etwas zu finden. So seine Erklärung. Es läuft also doch so ab, wie bei Doctor House. Nun gut, wollen wir mal hoffen, dass ich nicht nach 24 Minuten wiederbelebt werden muss, bevor ich dann in Sendeminute 43 endlich dank eines Geistesblitzes geheilt werde.

Eigentlich saß ich ihm zu dem Zeitpunkt auf den ersten Blick recht entspannt gegenüber. Ich hatte ja nun keine akute, lebensbedrohliche Geschichte. Müdigkeit, Lustlosigkeit, Kreislaufprobleme, Schwindel und Übelkeit nach den Mahlzeiten. Alles keine großen Sachen, aber auf Dauer echt nervig. Wahrscheinlich war es auch das erste Mal, dass ich hoffte, man würde jetzt gleich etwas bei mir finden. Sonst hätte ich mir am Ende noch eingestehen müssen, dass doch Stress oder irgendeine andere Kopfgeschichte daran schuld sein könnten. Nicht gerade meine Traumdiagnose.

Bm9_7mcIIAAujc3Aber: Yeah! Er hat etwas gefunden. Ziemlich miese Ferritinwerte und das obwohl ich mich eigentlich relativ eisenreich ernähre. Naja, ganz egal, es lässt sich recht gut behandeln. Da darf „Kräuterblut“ von mir aus auch gerne wie etwas klingen, mit dem man einen von einem Vampir verwandelten Veganer notversorgt. Erste Menschen gucken schon irritiert, weil ich aktuell so etwas wie einen gesunden Teint entwickle. Gerade ich, der Eimer Alpinaweiß mit mieser Deckkraft. Wo soll das bloß hinführen? Am Ende kommt noch raus, dass meine Mutter meinen doch recht hellhäutigen Vater vor 28 Jahren im Griechenlandurlaub… vielleicht stehe ich ja deshalb so auf Gyros und Tzaziki?

Auch die Laune bessert sich momentan merklich und das tat sie auch schon, bevor gestern endlich die Sonne rauskam. Wenn die Arbeit nicht mehr nur wie in Trance erledigt wird, dann ist das eine sehr gute Sache. Und vielleicht gehe ich gleich raus und hüpfe vergnügt über eine Blumenwiese. Aber nur vielleicht.

Es sind die einfachen Dinge.

In einem höchst philosophischen Moment zwischen Bierfass, ostwestfälischer und sauerländischer Mentalität sind am Silvesterabend der Gastgeber und ich schnell auf ein gemeinsames Credo gekommen: Manchmal sind die einfachen Dinge doch die besten.

Auslöser war ein Gläschen Tomatenbutter, das Meinereiner der Party beisteuerte. Ein wahrlich simples Rezept, damals™ häufiger gemacht, bevor es irgendwann in Vergessenheit geriet. Viel schlichter kann man nun wirklich kaum noch kochen, aber es ist echt lecker.

Natürlich ist es auch mal ganz nett mit viel Chichi zu kochen. Hier dreizehn verschiedene Zutaten schnippen, da drei Stunden schmoren lassen, dort hinterher die komplette Wohnung putzen. Na gut, letztes muss ich auch nach Tomatenbutter machen… Aber wie geil ist bitteschön ein einfacher strammer Max?  Oder eine ordentliche Portion Bratkartoffeln? Die richtige Antwort lautet: Ziemlich.

Während meiner gesamten Unilaufbahn durfte ich mir regelmäßig anhören, wie verrückt es doch wäre, für sich alleine täglich frisch zu kochen. Also so richtig frisch mit Gemüse und ohne Tüten. Dabei dauern 80% dieser Sachen auch nicht länger als der obligtorische Topf Nudeln. Nur weil ich alleine esse, soll es mir nicht schmecken? Auch Vorkochen, Einfrieren und die Beilagen zu variieren ist keine Zauberkunst. Gerade die einfachen Dinge sollten mit Verstand ausgesucht und keine Dose Ravioli sein. Schließlich kommt es bei ihnen auf jedes Detail an.