Honolulu Figure Skating Team 1964.

Untereinander gesetzt und mit einer kleinen typographischen Standard-Spielerei würde diese Sinnlosigkeit in der Überschrift sofort bei Abercrombie oder Hollister in den Druck gehen. Weil offensichtlich sehr vielen Menschen sehr egal ist, was sie für eine Botschaft auf der Brust offen vor sich her tragen. Sicherlich, mit dieser Erkenntnis erfinde ich gerade das Rad nicht neu. Daher als kleiner, visueller Einstieg ein wunderbaren Beitrag von Mirko Podkowik, falls ihn jemand tatsächlich noch nicht gesehen haben sollte.

 

In diesem Filmchen werden nur Durchschnittstypen aus Düsseldorf befragt. Nun könnte man meinen, dass das durchaus auch an der Stadt liegen könnte oder an der gezielten Auswahl eines gewissen Stereotyps. Andere Menschen, die gerne die persönliche Meinung nach außen tragen, total (mit langem A) aufgeklärt sind und/oder sehr viel Wert auf Design legen, werden schon wissen, was sie sich da morgens überstreifen. Nope. Falsch. *Zonkgeräusch*. Selbiges Spiel wurde auf der letzten Republica wiederholt und das Ergebnis war nicht weniger erschreckend.

Wieso ich das jetzt wieder aufwärme? Weil ich am Wochenende seit Ewigkeiten mal wieder in Genuss des Party-Publikums im Ringlokschuppen kam. Die letzten Male ging’s immer nur im Forum auf die Piste und da trägt man gewöhnlich 50 Shades of Schwarz. Oder ein Bandshirt. In schwarz. Viel größer ist der Spielraum dann aber auch schon nicht mehr. Blendet man nun an einem gewöhnlichen Abend im „Schuppen“ mal die 519 Personen im identischen Karohemd sowie die h&m-Glitzertops aus, so bleibt noch etwa ein Drittel mit einem flotten Spruch auf dem T-Shirt.

Sicherlich gibt es Menschen, die New York wirklich lieben. Die den Tag tatsächlich nutzen wollen und die auch an jedem anderen Tag des Jahres auf die Rolling Stones oder Nirvana stehen. Ja, auch ich nenne 2-3 Shirts mit Aufdruck von der Stange mein Eigen. Aber da steht sicherlich nirgendwo Miami State University 1996 drauf. Oder I ♡ Tokio. Man zieht doch auch kein Fußballtrikot an, weil man die Farben so schön findet.

Ich habe jetzt einfach mal eine große Klappe und behaupte, dass ich immer weiß, welches T-Shirt ich gerade trage. Das könnte eventuell daran liegen, dass ich einen kleinen T-Shirt-Fimmel habe, aber was soll ich sagen, ich bin halt eine Fashionista. Wer etwas mit Aufdruck anzieht, der gibt damit ein Statement ab. Egal ob sein Gegenüber daraus den Lieblingsverein erkennt, den Musikgeschmack oder mit welcher Art Humor man bei der Person rechnen muss. Auch ich geriet in jungen Jahren 1-2 mal in die missliche Lage, dass mich ein ganz pfiffiger Kopf fragte, welchen Sinn denn der Spruch auf meinem T-Shirt machen würde. Und Achtung, nun folgt ein mir persönlich recht peinliches Geständnis:  In den Tiefen meines Kleiderschranks gibt es tatsächlich ein Top, auf dem in großen, geschwungenen, roten Buchstaben True Love steht. Jawohl.

In den Zeiten des Online-Handels muss aber nun wirklich niemand mehr irgendwelche sinnentleerten T-Shirts tragen, nur weil er sonst nichts passendes findet. Es gibt so viele tolle Seiten, über die man Arbeiten von talentierte, jungen Designern bekommt. Threadless zum Beispiel, als erste Anlaufstelle für die Nerds unter uns. Oder Society6, bei denen ich während der nächsten Worldwide-free-Shipping-Aktion wohl mal wieder ordentlich zuschlagen werde. In Bielefeld selber gibt es gerade in den Seitenstraßen der Altstadt ein paar bezahlbare Alternativen zu C&A und Co. Der Haken an der Sache? Ich habe schon an so manchem freien Tag noch vor dem Aufstehen ein neues Shirt geordert. Da weiß ich dann auch ganz sicher, was vorne drauf steht.

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Der frühe Vogel ist ein aufgescheuchtes Huhn.

In drei Wochen ist Messe. Für mich bedeutet das, dass ich gerade einen Berg Großprojekte auf dem Schreibtisch habe. Messezeitung, Ausstellerkatalog, Pressemeldung- und gespräch, Besuchereinladungen, Newsletter für Aussteller und Besucher, Buchungsunterlagen, Contentpflege, Orgakrams… ich zähle jetzt nicht alle 40 To-Dos auf. Ich könnte es zwischendurchl noch mal mit spontaner Zellteilung versuchen und mein zweites Ich wäre dennoch ebenfalls voll ausgelastet. Hilft ja alles nichts. Einen Schritt vor den anderen machen, eine Deadline nach der anderen abarbeiten.

Blöd wird’s dann, wenn zwei Welten aufeinander treffen. Ich bin mehr so der stete Typ. Zeig mir eine Arbeit, die schneller und dabei aber noch ordentlich erledigt wird, wenn man vorher, währenddessen und am besten auch noch hinterher völlig am Rad dreht. Unruhe kenne ich eigentlich nur, wenn der Gegenüber trödelt. Oder der Nebenmann beim Bäcker. Darüber bloggte ich ja bereits ausführlichst. Aber das ist einfach nur Ungeduld und nicht der Versuch, durch Hektik etwas schneller zu erreichen.

Im Büro werden sie hingegen gerne mal hektisch. Da wird während eines Außentermins mehrmals hinter einem hertelefoniert, weil zig Leute angerufen hätten, dass die Website kaputt wäre. Zig Leute waren an dem Tag genau 2. Und auf der „kaputten Website“ stand ganz einfach eine Adressdatei absichtlich nicht mehr zur Verfügung, weil die zwei Anrufer Anzeigenverkäufer waren und bei ihrer Adress-Ernte ausgebremst werden sollten. War aber alles ganz wichtig und eilig und die Zukunft der ganzen Firma hing von meiner Erreichbarkeit ab.

Nun sitzen wir hier, arbeiten im Akkord Großprojekte ab und warten nur darauf, dass das nächste aufgescheuchte Huhn zur Tür hereinkommt. Der letzte Aufreger war, dass wir uns noch nicht überlegt haben, wer in drei Wochen 200 Servietten vom Lager auf die Messe bringt. Aus eben diesem Lager wird ab übernächster Woche mehrmals täglich Material für über 15.000qm Ausstellungsfläche in die Hallen gekarrt. Ich bin mir wahrlich nicht hunderprozentig sicher, ob da zehn Packungen Servietten zusätzlich auf einen der LKWs passen werden. Könnte eng werden. Drückt mir die Daumen.

garfield breakdown